Top-Stylisten fragen ... SASSOONer antworten
Interview

Top-Stylisten fragen ... SASSOONer antworten

Es wurde gefragt, erläutert, diskutiert und vor allem viel gelacht beim imSalon.at Exklusiv Roundtable mit österreichischen TopFriseuren und langjährigen Sassoon Anhängern und dem Sassoon Professional Artistic Team.

Sie standen Rede und Antwort:
Sassoon Professional Artistic Team
Peter Dawson (Peter D.) | Nicolla Matthews (Nicolla M.) | Scott Cottis (Scott C.)

Interviewer
Sigi Schmid | Art&Fashion Team, Graz
Markus Herold | Herold hairstyles, Wien
Theresa Eder | Eder Intercoiffure, Salzburg

Sigi S.: Mich würde Interessieren – Thema Farbe und Schnitt: Wie seid ihr euch einig bei Kollektionen? Bestimmt da eher die Farbe oder der Schnitt?

Peter D. (mit sympathischen englischen Akzent) Letztlich ist das eine sehr ausgewogene Zusammenarbeit. Wenn wir ins Studio gehen, dann haben wir Mark Hayes, unseren Creative Director, der gibt den Ton und die Linie an, in welche Richtung das gehen soll. Er gibt die Linie vor und kommt dann auf mich zu und fragt, was wir bei den Farben noch machen können. Aber es ist eine Zusammenarbeit zwischen den Fundamenten von ABC, unseren Prinzipien und wie wir mit Farbe und Schnitt in Harmonie arbeiten. Er gibt den Ton an und das restliche Creative Team ergänzt das.



Sigi S. Aber wie geht das? Sagt er z.b. „Athletic – Olympische Spiele!“ und gibt das vor? Schränkt euch das nicht ein?

Scott C. Mark spricht seine Gedanken aus. Er meint z.B. „Ich denke, das wäre ein gutes Thema und was denkt ihr darüber?“. Dann kommt langsam ein Dialog zustande und wie in einem Puzzle kommt alles zusammen. Manchmal ist es so, dass es mit einer Idee beginnt, aber dann ganz wo anders endet, weil mehrere Leute dazukommen und daran arbeiten und verschiedene Looks im Sinn haben. Dann geht das in eine ganz andere Richtung.

Markus H. Und er ist dann nicht dagegen, dass eine ganz andere Richtung eingeschlagen wird?

Scott C. Nein. Manchmal hat er einen Plan, aber er ist da sehr offen. Er fragt uns, was wir davon halten.
Nicolla M. Natürlich hat er eine Kernidee – er ist aber immer für Austausch im gesamten Team. Dieses Jahr ist es ziemlich leicht, aber um es als Beispiel zu nehmen, wenn er etwas aufgreift: Dann fragt er „Wie können wir als Sassoon mit diesem Thema umgehen und das Sassoon machen?“. Dann ist der Austausch da, besonders mit der Farbe und mit den runden Kreisen von Farben, die die Olympischen Kreise andeuten. So baut man das langsam auf.

Sigi S. Seid ihr euch immer einig?

Peter D. Oh nein! (lacht schallend) Einig sind wir uns nicht immer. Wir sind nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Da zankt man sich schon.



Scott C. Und wir machen immer unsere eigene Interpretation, genießen unsere Freiräume innerhalb des Rahmens von Sassoon und innerhalb des Rahmens der Kollektion. Es gibt immer Teile und einzelne Frisuren in der Kollektion, von denen ich sagen würde „Das ist nicht mein Ding“, und dann lege ich meine eigene Kreation vor.
Nicolla M. Das ist für ein Creative Team sehr wichtig. Das Ziel ist ja für alle das gleiche. Was man für sich persönlich aufnimmt, welche Richtung, welche Technik und welcher Schnitt der eigene ist, ist sehr individuell – aber die Richtung ist die gleiche.
Peter D. Das ist wichtig, wenn man kreative Menschen in einem Team behalten möchte, dass jeder eine gewisse eigene Freiheit hat. Ich denke, manchmal ist es für kreative Menschen einfacher in begrenzten Rahmen zu arbeiten, anstatt einfach total frei. Wenn man total frei ist, macht man was man will und verliert leicht den Boden unter den Füßen.


Sigi S. Ich habe in meiner Firma jeden Donnerstag einen Trainingsabend, ich versuche verbal – nur verbal, nicht anders, einzugreifen und eine Linie zu machen. Nur verbal. Das funktioniert aber nie.

Peter D. Ja. Super. Wenn Grenzen da sind, ist die Kreativität mehr gefordert.

Nicolla M. Es muss immer jemand da sein, der sagt „Das nehmen wir!“.

Sigi S. Aber das habe ich nicht gewusst, dass es bei euch so ist, dass jemand da ist, der das vorgibt.

Nicolla M Mark nimmt alles auf, er hört zu. Er hat natürlich seinen Kopf und seine eigenen Gedanken, in welche Richtung er gehen möchte und letzten Endes hat er die Verantwortung und sagt wo es lang geht.



Sigi S. Genau. Das ist der Fehler bei mir.

Scott C. Wir haben auch etwas zu sagen und haben Leute außerhalb des Fachteams die uns helfen – also Designer, Stylisten und auch eine ganz wichtige Person, Prof. Caroline Cox, die immer sehr eng mit Mark und den Creative Team zusammenarbeitet. Sie ist Kunsthistorikerin und Professorin am Saint Martins College of Fashion. Sie ist jemand, wenn wir eine ganz banale Idee haben und z.B. sagen „dieser Fotograf ist cool“, erzählt sie uns eine Geschichte dazu und findet es gleich interessant, weil genau dieser Fotograf auch schon diesen und jenen jungen Designer inspiriert hat. Sie hat ein so großes Wissen, weiß was in allen Bereichen passiert und mit diesen Geschichten baut sich die Kollektion langsam auf. Und wenn sie fertig ist, ist eine Geschichte dahinter. Diese Geschichte erzählen wir auch allen und jeder kann sein eigenes Ding daraus machen.

Theresa E. Und jeder kann weitere Ideen spinnen, wo Sassoon letzten Endes Inputgeber ist. Die ABC-Technik, die kann ich, Chromatology, das beherrsche ich, aber dann bekomme ich die Inspiration einer neuen Kollektion und es rattert wieder. Die Geschichten dahinter interessieren mich persönlich immer wahnsinnig.

Peter D. Das ist schon ein Gesamtpaket. Wir haben einen Anfangspunkt, eine Kernidee, dann das ganze Drumherum. Es ist ein ganzes Konzept. Wir machen das für zwei unterschiedliche Endverbraucher. Das eine sind die Friseure, das sind unsere Partner. Das Andere sind die Endverbraucher, die auch in eurem Salon sind und nicht nur in unserem. Wir versuchen ein interessantes Thema aufzugreifen und es so stimmig wie möglich zu verpacken – nicht nur für uns sondern auch für euch, damit ihr im Salon etwas darüber erzählen könnt. Es ist nicht nur eine neue Frisur, sondern über Geschichten kann man auch mit der Stammkundin reden, die seit 25.000Jahren einen graduierten Bob hat.

Nicolla M. Wir versuchen Leute auf unseren Weg mitzunehmen. Sie emotional zu packen, statt einfach beim Haarschnitt anzufangen. Es geht um die kleine Geschichte dahinter.

Markus H. Wie schafft ihr das seit Jahren auf dem höchsten Level, an der Spitze zu Arbeiten. Man kann euch stundenlang beim Haareschneiden zusehen.

Peter D. Hey, und beim Färben?

(alle lachen)

Sigi S. Ich stehe auf Farbe.

Markus H. Wir können immer von euch lernen, aber woher holt ihr euch die Kraft, die Energie und die Inspiration, damit ihr das Level immer noch haltet?

Peter D. Das ist eine sehr gute Frage! Man vergleicht die eigene Arbeit immer mit dem, was man um sich herum hat. Ich habe den Luxus, dass ich mit einem Team arbeite, das sehr leidenschaftlich bei der Arbeit ist und immer besser werden will. Dadurch dass mein Team immer besser wird, muss ich mich selbst auch anstrengen. Ich arbeite nicht mit schlampigen Leuten, sondern mit denen die nach Perfektion streben. Da muss ich mich zusammenreißen.
Ich denke auch, was oft missverstanden wird, ist dass uns eine Arroganz zugesprochen wird. Aber es ist genau das Gegenteil – Sassoon hat immer den höchsten Respekt vor seinen Zuschauern und deren Können. Wir wollen immer deren Anforderungen genügen und gehen auf die Bühne und machen unser Bestes. Diese Leute sind oft weit gefahren nur um uns zu sehen. Diese Leute sind für uns das wichtigste.

Sigi S. Ihr gebt euer Bestes und dann sitzt im Publikum z.B. neben mir eine, die sagt „das ist ein Wahnsinn“. Im Negativen. Die versteht das nicht.

Nicolla M. Nein, das ist okay. Nicht jeder kann die gleiche Meinung haben. Das ist gut so.

Sigi S. Aber da denkt man sich doch „Sei still du Kuh!“



Peter D. Man muss vor allen Respekt haben, wenn das ihre Meinung ist, dann ist das fein.

Sigi S. Für mich war das beleidigend.

Nicolla M. Nein, nein. Ich habe bei einem Friseur als Lehrling angefangen und hatte viel Glück. Ich habe alles hingeschmissen um zu Sassoon zu gehen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich: Das ist nicht einfach zu verstehen, wenn man den Hintergrund nicht hat. Wir mussten uns alle entscheiden, waren vor Sassoon erfolgreiche Friseure, doch haben ganz von Vorne angefangen, nur um bei Sassoon dabei zu sein. Es ist total in Ordnung das nicht zu verstehen. Es ist auch schwierig.

Peter D. Den Weg muss man konsequent gehen. Ich durfte kurze Zeit bei Sassoon sein und es kam gleich das Gefühl auf „Wir sind Sassoon und das sind die Anderen“. Nicht überheblich. Es ist einfach das Gefühl ganz anders zu sein.

Nicolla M. Es ist unsere Ausbildung die uns von allen anderen unterscheidet. Wenn man die nicht hat, kann man auch die anderen Dinge nicht erreichen.

Peter D. Wir haben auch ganz konsequente Spezialisierungen: Ich färbe, die anderen schneiden. Es ist nicht irgendwie und die Fronten werden nie gemischt. Wir denken, das führt einerseits zu mehr Jobzufriedenheit, wenn unsere Angestellten sich in genau dem Fach spezialisieren können, was ihnen am meisten liegt. Dann führt es auch zu mehr Kundenzufriedenheit, weil die Kunden bekommen jemanden, der wirklich leidenschaftlich färbt und das nicht nur als Nebensache zu einem schönen Haarschnitt sieht.

Markus H. Wie schafft ihr das, dem so treu zu bleiben? Überall anders verschwimmt das irgendwann, dann ist es nicht mehr zeitgemäß und muss sich anpassen. Bei euch bleiben gewisse Dinge seit 20, 30 Jahren immer gleich. Wie schafft ihr das beim Mainstream nicht mitzumachen?

Scott C. Wir haben oft Konfrontationen gehabt mit den Geschäftsführern von Sassoon, die meinten, dass wir das vielleicht alles mitmachen sollten. Ohne Philosophie, sondern nur was die Kunden wollen.

Markus H. Eine Geschichte werde ich nie vergessen: Ich war damals 20 und eine Kundin kam in den Salon, wollte Waschen-Föhnen. Sie wurde nicht gefragt, ob sie auch ein wenig die Haare schneiden möchte, sondern nur, ob sie einen Sassoon Schnitt hat. Sie sagte Nein. Also hieß es, dann kriegt sie auch kein Waschen-Föhnen. Knallhart.


Scott C. Dazu muss man aber sagen: Sassoon hat eine ganz bestimmte Art für Finish&Föhnen. Das kennt nicht jeder und es kann sein, dass das was sie unter föhnen versteht nicht mit unserer Philosophie einhergeht. Wenn sie erst mal gewaschen ist und nasse Haare hat ist es zu spät ihr zu erklären, dass wir das nicht machen, was sie möchte. Das muss sein, um fair zu den Kunden zu sein.



Peter D Der Grund warum wir das nicht tun, ist dass wir nicht in einer Situation landen, dass wir einen Kunden vor uns haben, dessen Haarschnitt nichts mit der Qualität von Sassoon zu tun hat. Wirtschaftlich gesehen gab es in meiner Karriere aber viele, die es dennoch machen wollten.

Scott C. Das ist ganz wichtig für die Integrität, dass wir eine Geschäftsführung haben und ein Creative Team. Diese beiden sind innerhalb unseres Hauses gleichberechtigt, das heißt auch, wenn die Geschäftsführung meint „Wir finden das super, wir holen jetzt die Rundbürsten heraus“, dann sind wir immer noch das Creative Team, das für die Qualität der Arbeit verantwortlich ist. Die Manager und die Geschäftsführung kümmert sich um die Kasse und die Creative Mannschaft um die Arbeit. Wenn die beiden Ideen nicht zusammenpassen, ja, dann gibt’s erst mal Krach.

Nicolla M. Und das ist gut!

Scott C. Das ist einer der Punkte, der uns wirklich einzigartig macht. Die Gleichberechtigung von Geschäftsführung und Creative Team. Von Anfang an. Beide haben das gleiche Ziel: Erfolg. Aber beide haben ihren Weg und kämpfen sich eine Mitte heraus. Es gibt ganz wenige Firmen, die das haben.

Markus H. Wie ist das dann bei Chromatology?


Peter D.
Man muss immer bedenken: Wir sind Sassoon Professionals. Chromatology ist unter dem Schirm von PG entstanden und wir als Friseure versuchen so gut es geht mit einem Riesen wie PG zusammenzuarbeiten. Die fragen uns – gottseidank, denn sie müssen ja nicht, sie sind PG, sie könnten machen was sie wollen – aber sie fragen uns glücklicherweise nach unserem Rat, was die Produkte, die Stylings und was Chromatology angeht. Chromatology ist letzten Endes mein Kind. Wir haben uns damals in der Anfangsphase hingesetzt in einem Team von 4 Leuten. Wir waren die bekanntesten Coloristen bei Sassoon und wurden gefragt „Wenn du eine Wahl hast, wenn du eine Farbserie entwerfen könntest- wie wäre sie?“. Ich war wie ein Kind im Spielzeugladen. Ich wollte die Wella Karte 30 Jahre zurückdrehen, ohne den ganzen Firlefanz. Wir waren ein paar Tage da und durften unser Konzept vorlegen. Was da herausgekommen ist, ist etwas so pures und reines, dass ich natürlich sehr stolz darauf bin. Es ist vollkommen logisches Haarefärben, mit einem ganz kleinen Korb an Farben und einem riesigen Display an Intensitones. Wer die Logik von Malen versteht und vom Haarefärben generell, der versteht auch Chromatology.

Sigi S. Und im Sassoon Salon? Wird da mit Chromatology gefärbt?

Peter D. Ja! Ausschließlich. Wir haben früher Kolestone gehabt, aber wir sind innerhalb von 24h von Kolestone nur auf Chromatology umgestiegen. Dabei war ich ja jahrelang ein Kolestone-Kind. Damit bin ich groß geworden.

Scott C. Letztlich haben wir unsere Top Coloristen und PG haben all ihre Wissenschaftler, und die fragen uns was wir wollen. Wir konnten das bestimmen und die haben das gemacht. Das war ein großes Risiko.

Peter D. Und es war ein super Projekt! Ich hatte die Ehre und das Vergnügen mit den besten Farbwissenschaftlern der Welt arbeiten zu dürfen. PG hat die fortschrittlichsten Labore weltweit und wir sind nach Darmstadt gegangen, ins Research&Development Center und haben denen erzählt was wir wollten. Sie meinten nur „das geht nicht, nein, das geht nicht“, aber dann sind sie gegangen und haben sich in ihre Labors eingeschlossen und einige Tage gebastelt. Und es ging doch. Das war ein super Erlebnis.

Markus H. Ein wichtiger Punkt ist auch die Wirtschaftlichkeit und diese mit der Kreativität zu verbinden. Die Chefs werden bestimmt schimpfen, bei der Menge an Farben die ihr verwendet – ich habe gesehen, da waren Farbrezepturen dabei mit fast 200g Farbe, oder zumindest 120-130g.

Peter D.
In einer Bühnen- oder Präsentationssituation, da hat man eben seinen Verbrauch. Im Salon ist das anders – da hat eine nur sechs Haare in drei Reihen, dann brauchst du nur 45g, und eine andere, die hat Haare für zwei, da braucht man dann eben mehr.

Markus H. Berechnet ihr das?

Scott C.
Nein. Das ist eine Preisstaffelung, die richtet sich nicht danach wie viel Produkt verkauft wurde. Außer in zwei oder drei Stufen, wenn man einen Bleaching Tone hat, das ist ein Doppelprozess, da hast du natürlich einen riesigen Produktverbrauch. Aber ansonsten zahlst du nicht nach Farbe, sondern nach Erfahrung.

Raphaela K.
Die Zeit des Interviews ist zu Ende, LEIDER, aber es geht weiter zum Gala-Abend. Die Friseure hatten noch viele Fragen und so werden wir das Interview bald weiterführen ...

www.sassoon.de


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