Thorsten Hussfeldt und der Satyr
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Thorsten Hussfeldt und der Satyr

Ich treffe den Kreativkopf der Capelli Group in seiner 100 Jahre alten Villa in Ludwigsburg, in der er sich ein stilvolles Refugium geschaffen hat. Hier vereint er Salon und Privates. Thorsten Hussfeldt ist ein modeaffiner Mann mit "Dekofimmel", besitzt mehr Schuhe und Taschen als seine Frau und würde ein Jackett niemals ohne Einstecktuch tragen. Nicht auf der Bühne, nicht im Leben.

Fakten

Geboren in Nordrhein Westfalen | aufgewachsen in Pforzheim
Friseurausbildung bei Kertu in Stuttgart
seit 1984 Friseur | seit 1994 Capelli Group | 1 Salon in Ludwigsburg
8 Mitarbeiter | 2 Azubis
Creative Director und Kollektionsentwickler bei Glynt



imSalon: Wenn du kein Friseur geworden wärst, dann …?
Thorsten Hussfeldt: ... wäre ich zum Theater gegangen, um Schauspieler oder Maskenbildner zu werden.

"Ich war ein richtiger 'Presser'."



imSalon: Erst Schauspieler, dann Friseur? Was haben deine Eltern dazu gesagt?
Wichtig war, dass ich meinen Weg gehe. Sie haben mich machen lassen und als sie festgestellt haben, welchen Weg es nimmt, waren sie happy. Ich wollte die drei Jahre Friseurausbildung ja nicht runterschrubben, sondern alles mitnehmen, was ich kriegen konnte. Deshalb bin ich zu Kertu gegangen. Ich war ein richtiger „Presser“, hab mich bei den Shootings immer hinzu gedrängt und gerade dadurch extrem viel gelernt, verschiedene Seminarkonzepte kennengelernt und konzeptionelles Arbeiten.

imSalon: Du hast die „Capelli Group“ gegründet. Das klingt nach mehr, als dem einen Salon, der mir im Übrigen ausgesprochen gut gefällt.
Ich wollte einen Markennamen haben, der nicht personifiziert ist, wie „Hussfeldt Frisuren“. Mein Großvater war Italiener, deshalb „Capelli“, italienisch für Haar. Und „Group“ hat nichts mit der Masse der Salons zu tun, sondern vielmehr mit den Leuten und dem Netzwerk, das man braucht, um gleichbleibende Dienstleistung zu garantieren.



imSalon: Und das Logo? Der Kopf eines Satyrs - ungewöhnlich.
Als ich überlegt habe, mich selbstständig zu machen und auf der Suche nach dem richtigen Platz war, habe ich diesen Kopf auf dem Flohmarkt erstanden, und zwar am gleichen Tag an dem ich abends die Location für den ersten Salon angeboten bekam. Jetzt hängt er hier im Salon!

imSalon: Du hast den zweiten Salon verkauft. Warum?
Weil ich mich fokussieren wollte. Und auch, weil es für Filialisten immer schwieriger wird, die Salons mit guten Leuten zu besetzen. Der demographische Wandel schlägt zu, uns fehlt die breite Masse der 25-jährigen. Die Leute auf der Bühne spiegeln das wider: Das Durchschnittsalter ist Mitte 40 und älter. Es wird weniger ausgebildet, das macht sich bemerkbar. Die Akademien leiden darunter, dass sie die Seminare nicht vollkriegen. Der Markt entwickelt sich hin zu 2-Mann Konzepten, die Seminare fallen da häufig weg.

"Der demographische Wandel schlägt zu, uns fehlt die breite Masse der 25-jährigen."



imSalon: Als Glynt Kollektions- und Konzeptentwickler: Wie läuft das ab?
Die Entwicklung dauert im Schnitt ein viertel bis halbes Jahr, für die Frühjahreskollektion beginnen wir mit der Recherche im Sommer, dann präsentieren wir uns im Team, bestehend aus Stylisten, Visagisten, Fotografen unsere Ideen. Die Looks werden an Trainingsköpfen erarbeitet und wenn alles steht, kommt das Casting der Modelle. Im November wird produziert und ab Mitte März gehen wir mit der Firma Glynt on Tour.
Um den Mitarbeitern einheitliche Headlines mitzugeben, schulen wir unsere Mitarbeiter in die Kollektionen ein. Zu jedem Trendkonzept gibt es Booklets mit Schnitt- und Farbkonzepten und Styling, die im Salon ausliegen, auch für die Kunden.

"Ich habe Glynt zu 100%, und das nicht, weil ich käuflich bin."



imSalon: Warum Glynt?
Ich war auf der Suche nach einer friseurexklusiven Individualmarke. Bei Glynt gefällt mir die Historie. Sie kommen aus dem dermatologischen Bereich, haben anfangs nur Apotheken beliefert, bis Friseure gesagt haben, sie hätten gern Shampoos, weil die Allergiehäufigkeit zugenommen hat. Dann kamen Pflege- und Stylingprodukte dazu, später dann der Farbmarkt. Im Schulungsbereich arbeite ich mit Glynt seit 2008 zusammen. Ich habe Glynt zu 100%, nicht weil ich käuflich bin, sondern weil ich wirklich hinter den Produkten stehe. Stephan Conzen springt nicht auf kurzfristige Trends auf, man wird nicht zugemüllt mit ständig neuen Produkten. Ich habe ein kleines, wirtschaftliches Warenlager, mit dem ich alles erreichen kann.



imSalon: Du hast früher Theater gespielt. Machst du das noch in irgendeiner Form?
Nein. Aber ich geh gern ins Theater. Unsere Bühnenarbeit ist ja ähnlich. Du musst die Leute in den Bann ziehen, die Show von vorn bis hinten durchchoreografieren und Friseure zwei Stunden lang mit deiner Fachlichkeit unterhalten.

"In GB ist das anders. Dort haben die „Macher“ einen Bekanntheitsgrad."



imSalon: Nach einer Theaterpremiere fiebert man der Kritik der Presse entgegen. Wie findest du die Präsenz der (Fach-)Presse in unserer Branche?
Du lädst sie zu Veranstaltungen ein, die Endverbraucherpresse genauso, aber das Interesse ist überschaubar. Bei uns gibt es vier bis fünf Friseure, die Promis bedienen und ein tolles Marketing haben. Diese sind allerdings nicht dafür bekannt, Trends herauszubringen. Das ist zum Beispiel in GB ganz anders. Dort haben die „Macher“ einen anderen Bekanntheitsgrad. Nehmen wir die Alternative Hair Show! Als ich die das erste Mal gesehen habe - das war in den 80ern eine der ersten AHS überhaupt - war ich total geflasht! Nicht von der Fantasieshow, sondern von der Power, von Leuten wie Anthony Mascolo oder Tony Rizzo, die diese Energie bis heute ausstrahlen. Aber darüber kommt bei uns in den Medien viel zu wenig. Das unterscheidet die englische Presse von der deutschen. Dort berichtet auch der Boulevard über Trendentwicklungen und die Macher dahinter.

"Wenn Leute sagen, heute kannst du alles tragen, dann stimmt das für mich nicht..."



imSalon: Wie tust du dich bei der Findung von Trends? Gibt es überhaupt noch DEN Trend an sich?
Trend ist immer eine Weiterentwicklung, eine Reflektion der Gesellschaft, das spiegelt sich auch in Musik und Filmen wider. Wenn die Leute sagen, heute kannst du alles tragen, dann stimmt das für mich nicht. Heute sind Trends breiter gefächert, das Individuum steht im Vordergrund.
Nehmen wir die 80er her: Die Schnitt- und Farbkonzepte wurden jedem aufgesetzt, ob es passte, oder nicht. Die Leggins hat jeder getragen, ob er sie tragen konnte oder nicht. Die Rocklänge war immer bestimmend für eine ganze Dekade.
Heute entwickeln wir Schnittkonzepte, mit Schnitt- und Abteilungsformen für alle Längen. Ob ich die verbinde oder nicht, den Undercut länger mache, oder nicht, das liegt immer am Kunden, der vor mir sitzt. Da ist das Neue, wie man mit Konzepten umgeht, auch in der Mode. Der Friseur muss interaktiv sein, Trends kommunizieren und vorleben.

"Männer? Das ist im Moment so, als würden die plötzlich vom Himmel fallen."



imSalon: Was hältst du vom „Hype“ um die Männer?
Das ist im Moment so, als würden die plötzlich vom Himmel fallen, als wäre das was Besonderes, ein Herrenfriseur zu sein. Das lernt doch jeder in seiner Ausbildung! Klar, die Überlegung, die Männer in den Fokus zu rücken, hat damit zu tun, dass Männer sträflichst vernachlässigt wurden. Nicht nur bei uns. Wenn ich jetzt mal von mir als Kunden ausgehe: Ich habe mehr Schuhe, mehr Klamotten und mehr Taschen als meine Frau. Ich bin also nicht der typische Mann, den Mario Barth so gern beschreibt. Die Schuhabteilungen der Frauen sind riesig. Wenn ein Mann einen Anzug kauft, bekommt er Hose und Jackett. Aber bekommt er noch ein Hemd, eine Krawatte, ein Einstecktuch dazu?

imSalon: Hmmm? Was macht ihr anders?
Das können wir ganz einfach übertragen: Für mich als Schnitttechniker gehört es dazu, der Kundin das passende Accessoires in die Haare zu geben, das richtige Produkt. Beim Farbtechniker ist es das entsprechende Pflegekonzept. Ich habe meinen Job nur zu 50 % richtiggemacht, wenn die Kundin ohne dieses nach Hause geht. Und so verhält es sich auch mit den Männern. Businesstypen wollen nicht nur Business-Schnitte, sondern auch freizeittaugliches. Bei uns geht es schlichtweg um Männer- und Haarmode, ohne das vielbemühte männliche Drumherum wie Bier oder Whisky.

"Ich bin nicht der typische Mann, den Mario Barth so gern beschreibt."



imSalon: Warum gibt es im Stuttgarter Raum so viele Friseure?
Vor allem so viele gute Friseure! Das resultiert aus der Historie der Akademien Dieter Keller und Kertu. Aus denen ist ein riesiger Stamm an guten Mitarbeitern entwachsen. Unsere Veranstaltungen im Stuttgarter Raum sind auch immer als erste ausverkauft, das macht mich besonders stolz. Da treffe ich tolle Kollegen und gute Konkurrenten, mit denen ich mich austausche.



imSalon: Bist du da nervös?
Eine gewisse Anspannung muss da sein. Mental wird das mit den Jahren besser. 1987 hatte ich in Stuttgart meinen ersten Haarschnitt vor Kollegen, da ist mir die Schneidemaschine ausgefallen. Seitdem teste ich meine Instrumente vorher. (lacht).

imSalon: Hattest du einen beruflichen Mentor?
Ja, zwei! Beide von Kertu: Wilfried Pflüger, den hab ich echt genervt, weil ich überall dabei sein wollte und der nicht nein sagen konnte und Heinz Klinger! Von dem hab ich die Didaktik gelernt.

imSalon: Danke für diese vielen Einblicke in dein Wirken und weiterhin ganz viel Erfolg, wir sehen uns ganz sicher wieder auf eurer nächsten Tournee.

www.capelli-group.de

credits: capelli-group.de | imSalon

Das Interview führte Katja Ottiger

Dezember 2016

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