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Sessionfotograf Stefan Dokoupils Blick durch die Linse
Interview

Sessionfotograf Stefan Dokoupils Blick durch die Linse

Er weiß Haar richtig in Szene zu setzen, internationale Hairdresser vertrauen seinem dritte Auge. Ein Talk über Friseure, retuschierte Bilder und warum ein Ferrari noch längst keine guten Fotos macht.

Der Ex-Kameramann hat ein gutes Gespür dafür, wie man Haare richtig in Szene setzt. Seit 7 Jahren fotografiert und inszeniert er Haar. Er arbeitet für Friseure in Deutschland, Österreich und Großbritannien, allein in diesem Jahr knipste er dreimal für die British Hairdressing Awards! Abseits der Beautyshootings sind seine Bilder mitunter trashig und skurril, manche provozieren, in jedem Fall aber sind sie preisverdächtig.

Fakten:

geboren und aufgewachsen in Österreich
seit 2006 Fotograf
seit 2009 arbeiten für Friseure
seit 2013 Fotostudio in Clapton/GB
Fotoworkshopreihe “Fashionweekend” Europe | Berlin, Vienna, Salzburg, Paris, London
Hair Shootings für: Alex Lepschi, Sturmayr, Martha Norz, Looksus, Stefan Schedlberger, Andreas Hinteregger, Blue Tit London
Auszeichnungen, u.a.:
"Natura 2008" | "DOCMA Awards 2008" | 2012 Staatsmeistertitel der Fotografie, Sparte Color, des VÖAV | 2013 Listung "200 best Ad Photographers worldwide" | verschiedenste Hairdressing Awards



"Ich finde es interessanter eine Geschichte in einem Bild zu erzählen als in einer Minute Film."



imSalon: Du kommst eigentlich aus dem Filmgeschäft, hast anfangs als Kameramann gearbeitet. Warum vom Film zum Foto?
Weil mir das Kameraequipment zu schwer zum Tragen war! (Lacht) Nein, weil ich es viel interessanter finde, eine Geschichte in einem Bild zu erzählen, als in einer Minute Film!



imSalon: Wie bist du zu den Friseuren gekommen?
Ich war vor Jahren mit Wella auf Tour, da habe ich zwar gefilmt, aber ich habe erkannt, dass Friseure auch Künstler sein können und ich war wirklich erstaunt, was diese Künstler für Frisuren kreierten!

imSalon: Du arbeitest mit Friseuren in Deutschland, Österreich und Großbritannien, wo du auch ein Fotostudio hast. Gibt es Unterschiede?
Ja, das kann man schon sagen! In London ist alles anders, was in London gefällt, muss hier nicht unbedingt funktionieren! Man muss sich nur die Läden ansehen in London, alles hipper und vor allem mutiger!
In Deutschland und Österreich sind die Arbeitsweisen und die Frisuren sehr ähnlich, sehr kundenorientiert, wobei in Österreich noch ein wenig der „Kunstfaktor“ dazukommt, was ich sehr spannend finde!

"Den Hairdressing Award gewinnst du nicht, wenn du eine perfekte Frisur hast, aber ein schlechtes Foto."



imSalon: Du hast als Fotograf schon einige Hairdressing Awards mitgewonnen. Wie siehst du das: Ist der Hairdressing Award ein Foto- oder ein Frisurenwettbewerb?
Es ist eigentlich leicht erklärt: Den Hairdressing Award gewinnst du nicht, wenn du eine perfekte Frisur hast aber ein schlechtes Foto! Ich finde, Frisuren und Fotografie gehört untrennbar zusammen! Ich finde es schade, dass sehr viele Friseure keinen Wert auf ihre bzw. auf eigene Bilder legen. Was gibt es denn schöneres, als seinen Kunden die Bilder seiner eigenen neuen Kollektion zu zeigen? Es müssen ja nicht immer Bilder von der Industrie sein, die jede "Ute" in ihrer Auslage hängen hat!



imSalon: Viele reiben sich daran, dass die Bilder zu stark retuschiert werden, mitunter auch die Frisur, und das die Entscheidung der Jury beeinflussen könnte?
Das ist auch so, klar, alle Bilder sind retuschiert. Nur, die Grenze zwischen wie viel, ist sehr schmal! Ein Glanzlicht verstärken oder die Frisur neu bauen? Deswegen bin ich immer erpicht zu schauen, dass die Frisuren die ich fotografiere, auch perfekt frisiert bzw. geschnitten sind und manchmal nerve ich die Friseure auch damit, weil ich immer was finde, wo sie nacharbeiten müssen!

imSalon: Wie viel kommt bei einem Shooting von dir?
Je nachdem. Mit manchen Friseuren entwickle ich das Konzept gemeinsam. Das heißt, der Friseur sagt mir, welche Frisuren gerade Trend sind und dann gibt es Kreativmeetings, in denen wir zusammen die Fotoidee ausarbeiten! Ich finde, das ist der wichtigste Prozess bei einem Kollektionsshooting! Das Equipment kommt immer von mir, und wenn wir etwas Außergewöhnliches brauchen, so werden wir es besorgen, nichts ist unmöglich.

imSalon: Wenn ein Friseur ein Shooting machen möchte, was sollte er beachten?
Die Vorbereitung und die Modelle! Ein gutes Konzept und die richtigen Modelle sind die halbe Miete! Wenn alle gut vorbereitet sind und ein gutes Team steht, kann eigentlich nichts mehr schief gehen!

"Der Friseurberuf ist leider so etwas wie ein Abstellgleis für Schüler, die nicht gut in der Schule waren (...) Schwachsinn!"



imSalon: Wie empfindest findest du das Image des Friseurs in Deutschland versus London/GB?
In Deutschland, aber auch in Österreich, ist der Friseurberuf leider so etwas wie ein Abstellgleis für Schüler, die nicht gut in der Schule waren, was ich persönlich für einen völligen Schwachsinn halte! Ich habe über die Jahre gesehen, was Friseure leisten müssen, allein beim Färben! Wie oft habe ich schon beim Farbenmischen zugesehen und ich steig' immer noch nicht dahinter, wie die das machen! Wenn man sich Schnittlinien von manchen Friseuren ansieht, muss man auch von wirklicher Handwerkskunst sprechen!
In London ist es ganz anders. Erstens gibt es um einiges mehr Männer in dem Beruf als hier und zweitens sind die Hairdresser stolz auf ihren Job und tragen ihn auch mit Stolz in die Öffentlichkeit. Es wird in London auch sehr viel Geld ausgegeben, um den Beruf zu erlernen. Ich weiß, was beispielsweise eine Ausbildung bei Sassoon kostet, und das ist wahrlich nicht billig!



imSalon: Was imponiert dir, was stört dich an Friseuren?
Die Frage könnte man einen Friseur genauso stellen.
Mir gefallen der Lebensstil, die Lockerheit und die Lässigkeit, mit der sie ans Werk gehen. Was mich stört, ist die Affektiertheit die manche an den Tag legen - aber ehrlich, das ist bei uns Fotografen nicht anders!

"Natürlich kann man mit einer guten Kamera gute Bilder machen, aber auch verdammt schlechte."



imSalon: Die wichtigsten Attribute eines erfolgreichen Fotos?
Wenn ein Bild ein Gefühl vermittelt, ich es mir länger ansehe, und mir denke wow, dann funktioniert ein Bild für mich!

imSalon: Hast du handwerkliche Vorbilder?
Eigentlich nicht, aber ich finde Rankin genial, weil er soviel Stile drauf hat und man nie weiß, was er denn als Nächstes macht und das alles auf höchstem Niveau! Das finde ich total spannend.



imSalon: Wir sind Verfechter professioneller Bilder und hören oft: Ich habe ein gute Kamera... Kann man mit einer guten Kamera ein gutes Foto machen?
Natürlich kann man mit einer guten Kamera gute Bilder machen, aber auch verdammt schlechte. Nur weil ich mir einen Ferrari leisten kann, bin ich noch lange kein Rennfahrer, so ist das auch beim fotografieren!

"Gerade bei einem gemeinsamen Projekt wie dem Hairdressing Award würde ich mir wünschen, wenn der Fotograf einen Credit bekommt, wie in England oder Deutschland!"



imSalon: Wie wichtig siehst du die Angabe von Fotocredits? In Printmedien, online Veröffentlichungen und Social Media, wie Facebook, werden die ja gern vergessen.
Ein sehr schwieriges Thema! Ich habe sehr viele Veröffentlichungen und oft werden die Credits nicht oder falsch angegeben. Ich glaube aber, dass das Thema oft auch überstrapaziert wird! Wenn sie zu klein oder versteckt sind, denk ich mir oft, na dann hätten sie die auch gleich nicht bringen müssen. Gerade bei einem gemeinsamen Projekt wie dem Hairdressing Award würde ich mir wünschen, wenn der Fotograf einen Credit bekommt, so wie in England oder Deutschland!

imSalon: Was ist das genialste Foto, dass du je gesehen hast und von wem?
Ich sehe immer wieder geniale Fotos, wo ich mir denke, wow! Und dann sehe ich schon wieder ein Neues! Da gibt es keine bestimmten, es sind so viele!

imSalon: Hast du als Fotograf Grenzen?
Ja, schlechten Geschmack.


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www.dokoupilphotography.com

Credits:
Alle Bilder: Stefan Dokoupil

August 2015
International (17 Bilder)

Best of: Stefan Dokoupil

International (15 Bilder)

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