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ErfolgsCouple Sabrina und Jens Hagenmüller
Interview

ErfolgsCouple Sabrina und Jens Hagenmüller

führten mit uns ein ausgiebiges Gespräch über Non-Stopp-Motivation und sein Nonplusultra, über 20 Prozent Weiterbildung, Pivot Point und Bauhaus, Image-Strategien, gegenseitige Bewunderung, ausgesprochene Liebeserklärungen....

Sie sind ein Dreamteam. Auf der Bühne und im Leben. Sie wirken ausgeglichen und harmonisch, obwohl sie oft getrennt unterwegs sind. Oder ist es vielleicht gerade deshalb?
Sie sind Friseure, Unternehmer, Top-Akteure, Trainer und Pivot Point Creative Directors. Sie sieht ihn als ihren Mentor, er liebt ihre Non-Stopp Motivation. Beide stammen sie aus Friseurfamilien. Sie sind miteinander verheiratet, arbeiten aber in getrennten Unternehmen. Warum das so ist? Wir sprachen über dies und einiges mehr.

Fakten


Sabrina Hagenmüller
geboren und aufgewachsen in Aalen und Esslingen
Friseurin, Trainerin, Visagistin, Make-up Aristin
1 Salon | arbeitet hier gemeinsam mit ihrer Mutter
seit 2009 Pivot Point | Trainerin und Creative Director
Mitglied Sebastian Cult Team | Tourneen für Wella weltweit
Nationale und internationale Fotoshootings


Jens Hagenmüller
geboren und aufgewachsen in Schwäbisch Hall
seit 1999 Pivot Point Trainer
Creative Director D-A-CH | Mitglied intern. Artistic Team Pivot Point
2010 Übernahme Friseurbetriebe Familie | 3 Salons
Wella Professionals Top-Akteur | Touren in D, A, Osteuropa
internationale Kollektionsbücher, eigene Trendkollektion



imSalon: Dass wir drei für dieses Interview zusammenkommen, war nicht so einfach, ihr seid beide beruflich viel unterwegs. Vietnam, Litauen, Kanada waren allein die Stationen der letzten Wochen, meistens getrennt voneinander. Ihr seid beide Friseurfamilienkinder, wäre für euch je etwas anderes infrage gekommen?
Sabrina: Ich bin im Friseursalon meiner Mutter aufgewachsen, ich wollte immer Friseurin im Ausland sein, auf einer Bühne stehen und natürlich mit im Salon arbeiten. In der 9. Klasse habe ich ein Praktikum bei einem Friseur gemacht, der meinte, ich habe Talent und der mich zum Preisfrisieren bewogen hat. Da war ich 15. Ich habe zwei Jahre lang einmal Woche in Stuttgart trainiert und an den Wochenenden beim Preisfrisieren mitgemacht.

„Preisfrisieren war für mein Ego ein enormer Gewinn.“





imSalon: Preisfrisieren während des Praktikums?
Sabrina: Meine Gewinne waren nirgends gelistet, aber das war mir egal, sogar bei der Europameisterschaft in Berlin war ich dabei. Es war für mein Ego einfach wichtig zu sehen, dass ich gewinnen kann. Ich habe immer schon viele Interessen gehabt, deshalb bin ich nach dem Abitur gleich zu Pivot Point gegangen, auch weil sie international vernetzt sind. Ich war dann mit 20 Session Stylist.

imSalon: Und Jens, bei dir? Warum Friseur?
Jens:
Ich habe mich schon umgeschaut, was es sonst so für Berufe gibt. Aber da mein Vater auch immer auf der Bühne gestanden, für die Innung, war für mich war klar, in die Fußstapfen zu treten. Der Umgang mit den Leuten, auf der Bühne stehen, Trainer sein zu können, alle diese Möglichkeiten waren für mich einfach attraktiv.



imSalon: Sabrina, du hattest schon als Jugendliche im Blick, dass dir als Friseurin so viel Türen offen stehen, das ist eher ungewöhnlich.
Sabrina:
Meine Mutter hat mich immer schon mit zu den Messen genommen. Ich erinnere mich da an eine Show, da war ich 12. Da hatte Martina Acht einen Auftritt und ich habe zu meiner Mama gesagt, wenn ich groß bin, dann möchte ich das auch machen.


"Der Beruf hat in Deutschland einen schlechten Stellenwert hat, weil wir nicht zeigen, was er zu bieten hat."



imSalon: Ihr trefft immer wieder internationale Kollegen. Wie empfindet ihr das Image in anderen Ländern?
Jens:
Ich glaube mal, es ist auch der ganzen Welt in allen Berufen gleich. Bei den Veranstaltungen und Shows sind wir natürlich umgeben von Leuten, die interessiert sind, erfolgreich und bereit, sich so etwas zu finanzieren. Das sind etwa 20 Prozent der Branche. Wir reden mit den Kollegen über fachliche Dinge und weniger darüber, dass alles schlecht ist. Aber es ist schon so, dass der Beruf in Deutschland einen schlechten Stellenwert hat, auch weil wir nicht zeigen, was er zu bieten hat.
Sabrina: Das Image in Großbritannien, in London z.B., dort ist es richtig cool, ein Friseur zu sein. Wir bekommen ja nur das Image von denen mit, die es auch nach außen zeigen, wenn sie z.B. mit tollen Fotokollektionen für sich Werbung machen. Was ich aber sagen kann, ist, dass Friseure in Amerika mehr verdienen. Wenn man in Amerika in einem guten Salon ist und sich spezialisiert auf Farbe oder Schnitt, dann verdient man deutlich mehr, als wir, auch beim Trinkgeld.

ImSalon: Was aber nicht auf die Rente angerechnet wird. Wie sieht es dort mit dem Grundeinkommen aus?
Sabrina:
Die Grundgage ist nicht höher, aber hier geht es vor allem um die Provision, damit verdienen sie ihr Geld. Wer mehr arbeitet, verdient mehr.



imSalon: Und ihr arbeitet mehr! Auch bei FashionShootings. Ist es nicht manchmal ärgerlich, dass beim Credit selten der Friseur erwähnt ist? Das sorgt ja auch dafür, dass Friseure beim Kunden ein Stück weit unsichtbar bleiben.
Jens: Wir machen in erster Linie Frisuren für Friseure, die interessieren sich schon dafür, von wem das Styling gemacht wurde.

imSalon: Und bei endverbraucherorientierten Werbekampagnen in Print und auf Plakaten?
Jens: Da gebe ich dir recht, da kommt das natürlich nicht an. Vielleicht wäre das eine Idee.

„Zeige das, was du kannst, dann kommt rüber, was du bist.“



imSalon: Wie könnte man außerdem besser nach außen tragen, dass Friseure für ihr Handwerk wirklich viel tun müssen, um am Ball zu bleiben?
Jens:
Zeige das, was du kannst, dann kommt rüber, was du bist. In der Friseurbranche sind es eben die 20 Prozent, die für ihr Weiterkommen etwas tun. Aber die anderen 80 Prozent, die den Job vielleicht machen, weil sie sonst nichts anderes tun würden - ob die dem Image immer gut tun, ist die Frage.



imSalon: Den neuen Imagefilm von Wella „Friseure bewegen“ - kennen den Kunden und Endverbraucher?
Jens:
Ich denke, der Endverbraucher kennt den Film nicht. Das sind tolle Geschichten, keine Frage, aber ein Kunde kann mit diesen Gefühlen letztlich nichts anfangen. Wenn wir diesen Spot aber in einem Seminar zeigen, dann spürst du die Begeisterung und den gemeinsamen Stolz.
Sabrina: Kunden nehmen den Film wahr, wenn man ihn auf dem iPad herzeigt, aber dafür muss man etwas tun. Würde der Film z.B. im TV laufen oder im Print präsent sein, dann wäre das besser.
Jens: Ich glaube schon, dass der Spot ein Schritt in die richtige Richtung ist, wir alle möchten das Image verbessern. Es muss sich hier einfach jeder an die eigene Nase fassen, die Firmen verkaufen Produkte, wir verkaufen uns. Wenn das jeder bestmöglich macht, dann verbessert das auch unser Image.

imSalon: Zu Hause arbeitet ihr in getrennten Friseur-Unternehmen.
Jens:
Ja, wir sind aus unterschiedlichen Friseurfamilien. Mein Vater hatte früher 15 Salons, jetzt sind es noch drei. Er war ein guter Friseur, aber eher der Unternehmertyp. Er hatte immer Geschäfte in den amerikanischen Kasernen, wo am Tag dann mal schnell 300 Leute vorbei kamen. Bei Sabrinas Familie ist das komplett anders. Sie sind zu zweit im Salon und total detailverliebt. Ich glaub ja auch, deshalb brauchen die keine Mitarbeiter, denn keiner macht es so gut und perfekt wie sie selbst.
Sabrina: lacht



imSalon: Kritisiert ihr euch in der Arbeit?
Sabrina:
Ja.
Jens: Jeden Abend.
Sabrina: Ja.

imSalon: Und wer ist ärger?
Jens:
Sabrina! Also ich schau ja immer, das alles stimmt, der ganze Ablauf einer Show, das Technische und das Drumherum. Sabrina schaut immer ganz genau ins Detail, bei allem.
Sabrina: lacht

„Willst du besser werden, gibt es nur diese eine Frage: Was kann ich besser machen?“



imSalon: Kritik vertragt ihr gut?
Jens:
Am Anfang war das schon eine Herausforderung.
Sabrina: Wir mussten lernen, damit umzugehen, uns gerecht zu kritisieren. Für mich ist Jens da mein Mentor. Der Vorteil ist, er kennt den ganzen Bereich, in dem ich arbeite und lebe. Wenn ich ihm also etwas mitteile von diesem Leben, das ich auch alleine lebe, dann weiß er ganz genau, wovon ich spreche. Er kann sich in mich hinein versetzen, kann mich leiten, korrigieren und Kritik geben und mich damit unterstützen. Es wär wirklich um vieles schwieriger, ihn nicht zu haben! Ich weiß nicht, ob ich von andern Menschen so ehrliche und direkte Antworten bekommen würde, wie von ihm. Wenn ich das vergleiche, ist es mit meiner Mama eigentlich ähnlich. Wir sind diejenigen, die sich am ehrlichsten und direktesten ihre Meinungen sagen können. Eine Kritik will ich ja nur, um den nächsten Schritt besser zu machen.
Jens: Die Fragestellung hat sich bei uns geändert. Am Anfang war es so, dass Sabrina kam und fragte: Du Jens, was hab ich denn gut gemacht? Heute fragt sie: Was kann ich besser machen? Ich glaube, nur diese Frage bringt einen letztendlich weiter. Ich habe anfangs genauso gefragt, was habe ich gut gemacht? Denn Lob tut gut. Aber willst du besser werden, gibt es nur diese eine Frage: Was kann ich besser machen?

„Es wär wirklich um vieles schwieriger, ihn nicht zu haben!“



imSalon: Plant ihr eigentlich selbst ein Familie?
Sabrina:
Ja, schon, wir können uns aber noch keine Zeitrichtung geben.

imSalon: Aber wie soll das funktionieren neben euren ganzen anderen Aufgaben? Sabrina, das betrifft ja meistens die Frauen und ist ein gern zitierter Grund, warum es so wenige Frauen auf den Bühnen gibt.
Sabrina:
Ich mache mir da schon Gedanken. Und ich weiß ganz bestimmt, dass sich dann etwas ändern muss. Aber ich brauche das in meinem Leben, das macht mich aus, das Reisen und Seminare geben, in Deutschland aber auch international. Ich möchte diesen Part trotz Familie behalten. Ich weiß aber auch, dass ich das dann weniger machen werde, dass ich da zurück stecken muss.
Jens: Natürlich werde ich sie unterstützen, wir werden das gemeinsam organisieren. Ich denke, letztendlich entscheidet das Kind darüber, wie wir das gestalten. Es gibt Kinder, die kannst du überall mit hinnehmen, andere brauchen mehr Aufmerksamkeit. Wir beide kennen das von zu Hause, wir sind ja praktisch auch im Salon groß geworden, wurden halt von Kunde zu Kunde weiter gereicht, haben gelernt, nicht zu fremdeln. Aus uns ist ja auch etwas geworden. (Lacht).
Sabrina: Wir sind bereit und flexibel.



imSalon: Ihr seid viel unterwegs. Wie gestaltet ihr gemeinsame Qualitätszeit?
Jens:
Wir sprechen das richtig durch, lassen uns auch schon mal aus dem Salon rausstreichen. Die Zeit, die wir haben, gestalten wir ganz bewusst gemeinsam. Machen zusammen Sport, sind gern draußen, gehen mountainbiken und machen einmal im Jahr mit den Rädern eine Alpenüberquerung. Und wir kochen miteinander.
Sabrina: Aber er ist der besser Koch!
Jens: Sie ist die bessere Esserin!

„Das System bringt uns dazu, andere Leute besser zu machen und das ist für mich nach 20 Jahren immer noch das Non plus Ultra.“



imSalon: Kommen wir zu Pivot Point. Was macht das für euch so besonders?
Jens:
Unser Herz schlägt von Anfang an für Pivot Point. Hinter dieser Marke stecken Menschen, die die gleichen Werte teilen. Dieses durchdachte System bringt uns dazu, andere Leute besser zu machen und das ist für mich nach 20 Jahren immer noch das Nonplusultra. Den Leuten bei den Schulungen ein Tool in die Hand zu geben, das Ihnen hilft, bessere Friseure zu werden.
Andere Anbieter schulen das Wie: Wie schneide ich Haare? Wie färbe ich Haare? Pivot Point schult auch das Warum: Warum ist diese Technik besser geeignet, als eine andere? Das ist für mich das Entscheidende.



imSalon: Wie schult ihr denn eure eigenen Mitarbeiter?
Jens:
Das haben wir aufgeteilt. Sabrina macht Farbe und Hochstecken und ich gemeinsam mit meiner Schwester die anderen Parts, wie persönliche Weiterentwicklung und Schnitt.

imSalon: Und wie oft?
Sabrina: Alle zwei Wochen.
Jens: Dann schließen wir den Salon etwas früher und machen 3-4 Stunden Training. Das hängt immer davon ab, was wir vorhaben, aber auch davon, ob die Leute den ganzen Tag schon hart gearbeitet haben. Dann machen wir halt kürzer. Und dann gibt es Tage, an denen alle entspannter sind, da machen wir länger. Und manchmal sitzen wir lieber noch zusammen und trinken etwas. Flexibilität ist da wichtig.

"Design form follows function. Wie gestalte ich und warum?"



imSalon: Pivot Point Erfinder Leo Passage war ein großer Bauhaus Fan. Wandelt man als „PP Fan“ ein bisschen auf diesen Pfaden, um besser zu verstehen? Ward ihr schon mal in Dessau?
Sabrina: Auf jeden Fall. Wir waren in den Museen und in der Bauhausschule selber. Die Idee hinter Bauhaus ist ja design form follows function. Und so verhält es sich auch mit Pivot Point: Wie gestalte ich dieses Design, die Frisur, und warum gestalte ich so? Das ist die Wertigkeit, das ist die Tiefe der Technik.



imSalon: Fühlt ihr euch manchmal ausgepowered und fragt euch: Wie kann ich das Publikum noch überraschen?
Jens:
Ich persönlich habe eine Regel und an der halte ich mich fest: Ich zeige nie Dinge, die einen Friseur nicht weiterbringen würden. Die er nicht im Salon umsetzen kann. Aber man muss das als Trainer auch so gut verpacken, dass der Friseure sagt, ja, das ist etwas, das mich weiterbringt.
Sabrina: Ich schaue gern, wohin geht der Trend, wohin entwickeln sich die Dinge, und das inspiriert mich für Sachen, die A: neu und B: auch umsetzbar sind.

imSalon: Was schätzt ihr aneinander besonders?
Erst Schweigen, dann:
Jens: Was ich an Sabrina bewundere, ist diese Non-Stopp Motivation, die sie in allen Bereichen hat. Sie gibt in ihrem Job 100 Prozent, aber auch im Privatleben und das macht mir Lust, mit ihr zusammenzuarbeiten, zu leben und mit ihr die Zukunft zu gestalten. Sie ist der beste Freund für mich und wenn wir über den Job reden, dann, weil wir Bock haben, über den Job zu reden. Und wenn nicht, dann reden wir über Sachen, die wir gut finden und gemeinsam machen könnten. Sie ist für alles offen. Sie sagt zu neuen Dingen erst dann Nein, wenn sie es probiert hat. Das schätze ich an ihr wirklich sehr.
Sabrina: Jens ist für mich in einem Wort mein Mentor. Er ist die Basis dafür, dass ich mich mit ihm in unserem gemeinsamen Leben so superglücklich fühle, wie ich das für meine Persönlichkeit brauche und damit ich für alles, was ich machen möchte, auch 100 Prozent geben kann. Ich habe einen sehr hohen inneren Antrieb, aber Jens kann mich gerade auch bei Dingen, die nicht so gut laufen, unglaublich gut motivieren, um dran zu bleiben. Und da ich die Emotionale bin und Jens der strukturierte Typ, kann er mich sehr gut ausgleichen. Wenn ich in einer Richtung zu stark ausschwanke, bringt er mich wieder in meine Mitte. Jens hat einen tollen Charme und Humor, das hat mich von Anfang angezogen und begeistert mich immer noch.

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www.sabrina-hagenmueller.de

Das Interview führte Katja Ottiger

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