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Ralf Nusskern über Qualitätsdenken und Marktsäuberung
Interview

Ralf Nusskern über Qualitätsdenken und Marktsäuberung

Billigfriseure werden es schwer haben, ist der Goldwell Markenbotschafter überzeugt. Wir fragten nach: Preisfrisieren und das Image, Preisanpassungen nach Mindestlohn und Männererfolg im Salon.

Steckbrief

Friseurunternehmer seit 2001
1 Salon | 5 Mitarbeiter
Ausbildung im elterlichen Betrieb
Weiterbildungen und Arbeiten für die Industrie | Fashion Weeks
Schwerpunkt Mann
Deutscher Meister | Vize-Weltmeister | Europa Cup Sieger



imSalon: Ralf, nach vielen Jahren bei Wella Professionals, bist du seit letztem Jahr Markenbotschafter für den Mann bei Goldwell. Was fasziniert dich beim Thema Mann?
Der Männer-Markt ist der am stärksten wachsende Markt und lässt sich für unsere Branche super strukturieren. Der Erfolg dadurch ist sehr schnell spürbar. Und Goldwell ist hier unser Partner, der unsere Bedürfnisse und unser Geschäft stärkt und der unsere Wertekultur fördert.

imSalon: Männer gibt es ja schon immer in den Salons, aber was hat sich in den letzten Jahren in diesem Markt verändert?
Männer sind modebewusster geworden, haben gezielte Ansprüche, die uns Friseure fordern. Das Qualitätsbewusstsein wächst. Dadurch sind Männer auch gerne bereit, mehr Geld beim Friseur zu zahlen, sofern das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Natürlich sind auch gezielte Männer-Produkte ganz wichtig.



imSalon: Es gibt da aber das Klischee, dass Männer gern auf die Produkte ihrer Frauen zurück greifen – was ist eure Erfahrung?
Im ersten Moment stimmt diese Aussage, bei den Männern die noch keine gezielte Beratung in einem guten Herrensalon erfahren haben. Aber nachdem Mann erkannt hat, dass es spezielle Produkte nur für ihn gibt, möchte er diese auch lieber haben.

imSalon: Was macht man einen Herrensalon erfolgreich?
Einen erfolgreichen Herrensalon erkennt man schnell an der Optik des Salons, aber viel wichtiger ist die Kommunikation zwischen den Männern. Eine genaue und strukturierte Vorgehensweise bei den Behandlungsprozessen ist Voraussetzung.

"Billigfriseure werden es schwer haben und das ist gut so."



imSalon: Seit 01.01. gilt der neue Mindestlohn. Hat das bei euch Preisanpassungen nach sich gezogen?
Ich glaube, dass es am Markt dadurch eine Säuberung geben wird und mehr Qualitätsbetriebe ihre Daseinsberechtigung finden. Die Billigfriseure werden es schwer haben und das ist gut so. Bei uns gab es noch nie Grundsatzfragen in Bezug auf den Mindestlohn, weil wir schon immer überdurchschnittliche Löhne gezahlt haben. Gute Mitarbeiter müssen überdurchschnittlich ihrer Leistung entsprechend bezahlt werden. Qualität kostet Geld, auch in diesem Bereich.

imSalon: Nach welchem Schema entlohnst du deine Mitarbeiter?
Bei uns gibt es zwei Modelle. Entweder das Festgehalt oder eine Provisionsvereinbarung.

imSalon: War der Friseurberuf immer dein Traumjob?
Ja, schon, denn der Beruf verbindet Menschen, Kompetenz und Erfolg.

imSalon: Du hast viel preisfrisiert - das Besondere daran?
Es ist toll, sich mit talentierten Kollegen zu messen und feinste Techniken zu erarbeiten. Im Friseur-Alltag sind diese sehr wertvoll, wenn man sie gezielt einsetzt.

"Unser Handwerk ist mehr wert, als viele denken"



imSalon: Siehst du beim Preisfrisieren ein verstaubtes Image?
Ja, leider ist es dem Verband nicht gelungen attraktive Wettbewerbe für jedermann zu kreieren. Die Öffentlichkeit müsste mehr Transparenz, Wertigkeit und Interesse vermittelt bekommen.

imSalon: Welchen Wettbewerben stellst du dich heute?
Qualitätsmanagement. Das ist für mich sehr wichtig. Man muss seine Maßnahmen ständig verbessern, um den Preis rechtfertigen zu können und Qualitätsdenken beim Endverbraucher zu fördern. Unser Handwerk ist mehr wert, als viele denken und der Preis müsste für unsere täglichen Arbeiten im Salon deutlich erhöht werden. Unsere Dienstleistung müsste für Endverbraucher deutlich wertvoller werden. Daran arbeiten wir täglich.

"Friseure vergleichen sich zu schnell mit anderen Friseuren"



imSalon: Hat die Friseurbranche ein Imageproblem?
Ja, leider ist das die Wahrheit. Es gibt aus meiner Sicht immer noch zu wenige Qualitätsbetriebe. Friseure vergleichen sich zu schnell mit anderen Friseuren, anstatt sich im Allgemeinen mit dem Handwerk zu vergleichen und darauf die Preise zu kalkulieren. Es würde schnell klar werden, dass auch mit dem Mindestlohn für sehr gut ausgebildete Fachkräfte immer noch zu niedrig bezahlt sind. Qualität muss der Endverbraucher bezahlen, damit auch höhere Löhne möglich sind. mit hochqualifizierten Fachkräften steigen die Löhne und somit das Image und das Ansehen der Friseure beim Endverbraucher.

imSalon: Was wünschst du dir für die deutsche Friseurszene?
Qualität, Qualität und noch mehr Qualität. Qualität im Umgang mit Menschen im Alltag, Höflichkeit, Freundlichkeit, konsequente handwerkliche Kompetenz für den Endverbraucher. Maßnahmen die bei den Menschen Glaubwürdigkeit und Ansehen bringen. Ich wünsche mir eine Entwicklung die unsere Arbeit wertvoller denn je darstellen lässt. Wertvoll nicht für uns Friseure untereinander, sondern für die Menschen, die zu uns im Salon besuchen.

www.nusskern-friseure.de

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März 2015
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