Petra Brockmann & Thomas Knödler setzen Prioritäten
Interview

Petra Brockmann & Thomas Knödler setzen Prioritäten

Fakten zu Brockmann&Knödler

Flagshipstore 400 qm
3 Salons je 100 qm
Academy 400 qm
60 Angestellte


Das Interview führte Birgit Senger

imSalon: Vor einiger Zeit, als ihr euch kennengelernt habt, haben wir uns aus den Augen verloren. Ich habe immer nur Stimmen gehört, die nicht an eure Partnerschaft geglaubt haben und seit Jahren gibt es Trennungsgerüchte. Ihr arbeitet und lebt zusammen und inzwischen habt ihr auch ein gemeinsames Kind. Ihr scheint ja doch ein gutes Beziehungsrezept zu haben. Könnt ihr mir das bitte verraten?
Petra und Thomas lachen herzlich.
Petra: Wir sind jetzt 15 Jahre verheiratet? Das Rezept steckt doch schon im Wort.

"Wir verstehen uns nicht als "Soße", in die alles reingetan wird..."



imSalon: Wie?
Petra: "Beziehung", da zieht was. Wir verstehen uns nicht als "Soße", in die alles reingetan wird, umgerührt wird und fertig. Wir sehen die Qualität unserer Beziehung darin, dass jeder so sein kann wie er ist. Der Eine hat was, was man selbst nicht hat. Das macht für uns unsere Beziehung spannend. Wäre doch auch langweilig, wenn der andere genau das Gleiche hat wie man selbst. Klar ist das nicht immer einfach, aber wenn man dann merkt, dass genau das der Motor ist, der uns beide auf unserem Weg wachsen lässt, bringt es uns näher zusammen.
Thomas: Nach Außen ist das sicher nicht immer offensichtlich, da es uns wichtig ist, unsere Rollen als Geschäftspartner, Ehepartner und jüngst als Eltern nicht zu vermischen. Das ist uns nicht von Anfang an gleich gut gelungen, aber bei allen Auf und Abs, ist uns immer am Wichtigsten aufrechtzuerhalten, dass jeder von uns, er selbst bleiben kann.


Bild: © Verena Knemeyer for BrockmannundKnoedler

imSalon: 2014 hattet ihr viel negative Presse, man hat euch mit Scientologie in Verbindung bringen wollen. Was habt ihr daraus gelernt?
Thomas: Das es so eine Welt auch gibt.

imSalon: Wie meinst du das?
Thomas: Dass es Menschen gibt, die sich lange Zeit akribisch darauf vorbereiten, anderen, in diesem Falle uns, etwas anzuhängen und dass die Presse das gern zu ihrem Vorteil nutzt und unterstützt.

imSalon: Was war bis heute die schlechteste Entscheidung, die ihr getroffen habt?
Petra+Thomas: Sich zu verteidigen!

imSalon: Eure beste Entscheidung?
Petra+Thomas: Daraus zu lernen!

imSalon: Euer Laden brennt, 3 Produkte könnt ihr noch schnell mitnehmen. Welche wären das?
Petra: Schere, Kamm und eine Büchse Blondierung

imSalon: Ihr gehört zu den Wella Global Creative Artists und seid Impulsgeber, wenn es um das Thema Haarfarbe geht.
Petra+Thomas: Wir arbeiten sehr gerne mit Wella Farb-Fullservice, aber wir haben eine etwas andere Art Wella Farbe zu verarbeiten. Wir erarbeiten authentische, organisch Haarfarben und personalisierte Farbkonzepte. Das ist OrganicHairColoring®.

imSalon: Könnt ihr mir auf die Schnelle erklären, worum es dabei geht?
Thomas: Friseure aus ganz Deutschland und weiten Teilen Europas lassen sich seit 15 Jahren in unserer Academy im organischen Haarfärben erfolgreich weiterbilden. Sie studieren Haar und erlernen,
für jeden Kunden einen personalisierten FARBCODE zu erstellen. Für uns besteht die Qualität darin, die Farbe nachhaltig ins Haar zu bringen. Wichtig ist hierbei, wie verhält sich die Farbe beim Herauswachsen. Der Mehrwert für die Kundin ist, dass die Farbe 2,5 bis 3 Monate hält.
Petra: Die Kundin braucht bei uns nicht nach 4-6 Wochen wiederzukommen, weil die Haarfarbe nicht mehr schön aussieht. Mit organischen Haarfarbe könnte sie Zwischendurch vielleicht Farbglanz
oder Farbpflege bei uns Auffrischen lassen, ist dazu aber nicht gezwungen. Dafür haben wir neue Dienstleistungen im Bereich Haarpflege und Farbauffrischung entwickelt, die dem Kunden einen zusätzlichen Service bieten.


Bild: © JUMGER Photography for BrockmannundKnoedler

imSalon: Dass die Pflege und Beschaffenheit der Haare für euch wichtig ist, unterstreicht ihr mit einer eigenen Produktserie „Organic Lifestyle®“. Unter uns, da ist doch bestimmt auch "Wella" drin.
Petra: Nein! Guck, sogar du denkst das!
Thomas: Die Produkte haben wir selbst entwickeln lassen. Wir wollten nicht nur gute Produkte, sondern Produkte mit denen wir als Handwerker gut arbeiten können. Die Entwicklung selbst hat 8 Jahre gedauert. Diesen Entwicklungsprozess hätte uns kein Industrieunternehmen gezahlt. Mit unserer Haarpflege bekommen wir genau die Haarqualität, die für uns Voraussetzung ist für natürlich schönes Haar. Wir arbeiten aus diesem Grund bei jeder Show auch nur mit unseren eigenen Modellen. Denn nur dann haben wir auch eine tolle Basis für traumhafte Haarfarben und Haarschnitte.

imSalon: Welcher Designer liefert die Bühnenoutfits eurer Modells?
Petra+Thomas: Unser eigener Designer. Es ist uns wichtig, dass die Outfits immer unseren Lifestyle widerspiegeln, zu gepflegtem Haar passen, den Zeitgeist aufnehmen und nicht von den Haaren ablenken.

imSalon: Ihr wollt mir erzählen, dass es jemanden gibt, der die Kleider für euch entwirft ohne selbst genannt zu werden. Die Kleider kann man nicht kaufen?
Petra: Nein, wir machen alles selbst, wir haben immer unsere eigenen Modelle, unsere eigene Musik, eigene Choreographie, unsere eigenen Klamotten. Nichts ist kopierbar.

imSalon: In euren Shows präsentiert ihr 100% BrockmannundKnoedler, Klamotte, Musik, Bewegung, Haarschnitt, Haarfarbe, Haarpflege.
Petra: Das hört sich ganz schön viel an, ist aber mit der Zeit für uns schon zum Selbstverständnis geworden.

"Aber sehen ist nicht gleich können..."



imSalon: Wie wichtig sind euch Innovationen?
Thomas: Ich kann verstehen, das in unserer Branche ständig nach Innovationen gesucht wird. Dem Gleichen immer einen neuen Namen zu geben oder sich ständig etwas Neues zu suchen um das nach kurzem Probieren wieder zu verwerfen und dann wieder zum nächsten zu greifen. Das ist nichts für uns! Für uns ist wertvoller bei einem Thema zu bleiben und an der Qualität zu arbeiten, es zu vertiefen, auszubauen und über Erfahrung damit zu wachsen.

Petra: Unser Seminar "Kopfarbeit und mehr" zum Beispiel läuft in unserer Academy unter gleichem Namen schon seit 15 Jahren und immer noch sehr erfolgreich. Die Friseurbranche ist die einzige Branche, die glaubt, dass man bei einem "Look and Learn" Seminar allein durchs Zuschauen was lernen kann. Aber sehen ist nicht gleich können, didaktisches Lernen ist etwas anderes. Ich muss begreifen, warum ich etwas tue, üben wie ich es richtig tue und wann ich welche Technik einsetzen kann. Das bedeutet Nachhaltigkeit und so geht aus meiner Sicht Lernen.
Stell dir mal vor eine Friseurin geht zum Seminar und lernt dort Frisur “Ida“. Dann zurück im Salon schaut sie auf welche Kundin diese vorgefertigte Frisur passt. Das ist ganz weit weg von Kundenwünschen und -bedürfnissen und noch weiter weg von personalisierten und massgeschneiderten Haarschnitten und Haarfarben. Das ist nur die Kopie der Kopie und vorgefertigte Konfektionsware.

Thomas: Das kann doch keiner seinen Kunden zumuten wollen.

Petra: Wir lebe im Jahr 2016, die Gesellschaft ist ständig in Bewegung, unsere Kunden sind aufgeklärt. Jeder Kunde hat einzigartigen Bedürfnisse und Wünsche. Die müssen wir als Dienstleister erkennen, um ihn zufrieden stellen zu können.


Bild: © Volker Kreidler for BrockmannundKnoedler

imSalon: Mit "Hot or Not" zieht ihr in den nächsten Monaten für Wella durch Deutschland. Was erwartet die Friseure?
Petra: Hier geht es genau darum, mehr Bewusstsein zu schaffen, die Sinne zu schärfen, quasi die Optik scharf zu stellen, um die individuelle Schönheit der Kundin erkennen zu können.

imSalon: Wie schafft ihr dieses Arbeitspensum neuerdings mit Kind?
Petra: Ich habe bevor das Kind auf der Welt war, für alles was eintreffen könnte organisiert und geplant. Zum Glück war vieles gar nicht nötig.
Thomas: Wir haben das Glück, dass unsere Tochter ganz unkompliziert ist und alles mitmacht.
Petra: Sie und unsere Nanny begleiten uns überall hin. Alles läuft sehr gut, auch wenn die Geschwindigkeit oft eine andere ist als vorher.
Thomas: Durch unser Kind haben wir sicherlich gelernt mehr Prioritäten zu setzen und nicht mehr so endlos zu sein wie früher.

imSalon: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche euch als Ehepaar, Geschäftspartner und Eltern viel Erfolg! Das einzige, was ich an euch richtig unsympathisch finde ist, dass ihr gefühlt am Tag das 10-fache von mir mit einem Kind geregelt bekommt!
Petra+Thomas: Das könnte an den 60 Mitarbeitern liegen, die wir mehr haben als Du!

Photocredit: Großes Bild © Verena Knemeyer for BrockmannundKnoedler

www.brockmannundknoedler.de

Mai 2016


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