Monsieur Milan über Luxus und Niveau
Interview

Monsieur Milan über Luxus und Niveau

Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund, setzt auf gute Umgangsformen und versteht Friseure nicht, die akzeptieren, dass ihr Gehalt vom Arbeitsamt aufgestockt werden muss. Der ESTEL Markenbotschafter provoziert gern und regt in seinen Vorträgen die Kollegen zum Reflektieren und Nachdenken an. Ein Talk in Milans Beautyplace in Berlin.

Im gepflegten Jugendstilaltbau werde ich beim Anläuten vom Videoporter beäugt, das angenehme Summen suggeriert, ich darf eintreten. Sogleich stehe ich unter einem reich geschmückten Kronleuchter und vor einem opulent geschmückten Weihnachtsbaum, darunter unzählige Geschenkideen. Ich frage mich, was solch eine Deko wohl kostet? Er lacht: „Das ist alles schon verkauft!“ Welch brillante Geschäftsidee! Ich werde durch die 230 qm Altbauräume geführt. Angenehmes Licht und bedacht abgestimmte Pastelltöne an den Wänden korrespondieren mit ausgesuchten Tapeten. Jeder Raum erzeugte eine andere Atmosphäre - hier hat Milan alles selbst ausgewählt...




imSalon: Milan, du hast Mitarbeiter, die 20 Jahre und länger schon mit dir zusammenarbeiten, wie erreichst du das?
Sie haben den Luxus erkannt! Einige arbeiten seit 8,16,20 oder 23 Jahren mit mir zusammen. Wir wissen, welche Möglichkeiten das Friseurhandwerk bietet mit Menschen und Haaren so umzugehen, das alle davon profitieren können. Die Voraussetzung ist, dass die Menschen, mit denen du zusammen arbeitest, deinen Rahmen mögen und dich als Person schätzen. Es ist in den letzten Jahren immer schwierig geworden, neue Mitarbeiter zu integrieren. Viele kommen mit unseren Ansprüchen nicht klar. Sie sind nicht in der Lage, sich so einzubringen wie wir es erwarten und die Hochwertigkeit im Luxusbereich zu verinnerlichen.

imSalon: Kannst Du dir erklären woran das liegt?
Die meisten Bewerber haben in ihren Jobs vorher schlecht verdient, es reichte aus, durchschnittlich gute Arbeit abzuliefern und mit Masse die Kasse zu füllen. Bei uns ist es anders, wir füllen mit Klasse die Kasse!



imSalon: Seit wann wurde aus deiner Sicht schwieriger gute Mitarbeiter zu finden?
Seit ca. 5 -10 Jahren.

„Ich kann absolut nicht verstehen, dass es Friseure gibt, die akzeptieren, dass ihr Gehalt vom Arbeitsamt aufgestockt werden muss“.



imSalon: Was könnte der Auslöser sein?
Die 10 Euro Läden! Mit ihnen verschwindet das gute Niveau. Es ist ja ok, dass Leute da arbeiten, aber was ich absolut nicht verstehen kann, ist, dass Friseure sich hinstellen und akzeptieren, dass ihr Gehalt vom Arbeitsamt aufgestockt werden muss. Daran erkennen wir den Wertewandel in der Gesellschaft, dass Kinder nicht mehr gut erzogen und die Leute nicht mehr an Werte herangeführt werden. Alles ist schnelllebig. Die Allgemeinbildung ist nicht mehr die, die wir früher hatten, ich bekam zu Hause noch Prioritäten gesetzt. Ich möchte, dass neue Mitarbeiter meine Philosophie verinnerlichen. Wir DIENEN unseren Kunden und das kann etwas wunderbares sein. Viele sehen das als Belastung und möchten nur die Leichtigkeit und die gute Bezahlung haben. Wenn ich den Leuten vermittle, dass zu uns Kunden kommen, die höhere Ansprüche haben und dass wir, um diesen gerecht zu werden und um gutes Geld zu verdienen, mehr Leistung bringen müssen, wollen sie das nicht! Mitarbeiter müssen sich mit dem Unternehmen identifizieren, um erfolgreich sein zu können.

„Wir DIENEN unseren Kunden und das kann etwas wunderbares sein.“



imSalon: Bildest Du auch Friseure aus?
Wir hatten bis vor 2 Jahren 2 Auszubildende, aber denen war unser System zu anstrengend.

imSalon: Wie würdest Du dein System beschreiben?
Ein richtiges Deutsch zu sprechen, den Kunden entgegenzukommen, sich klar und deutlich zu artikulieren und Dienstleistung zu zelebrieren. Das sind die Dinge, die heute nur bedingt erfüllt werden können, das ist traurig, aber ich weiche von meiner klaren Linie nicht ab: Um bei uns arbeiten zu können, müssen unsere Kriterien erfüllt werden. Unter unseren Kunden haben wir Unternehmer, die so erfolgreich und bekannt sind, das wir alle irgendwo ein Produkt von ihnen zu Hause stehen haben. Wenn sie mit uns in Kontakt treten, müssen die Kommunikation und die fachliche Qualität stimmen. Hier setze ich Allgemeinbildung und gute Umgangsformen voraus.



imSalon: Ihr gehört in Deutschland zu den Salons die luxuriöser und hochpreisiger arbeiten als andere, was kostet bei Dir ein Haarschnitt?
Das variiert je nach Aufwand zwischen 55 - 125 Euro. Habe ich einen hohen Aufwand, zahlen meine Kunden zwischen 95 und 125 Euro. Das wird für einen perfekten Haarschnitt inklusive Haarpflegeprogramm von unseren Kunden auch gerne gezahlt.

imSalon: Zahlen die Kunden für einen Haarschnitt bei dir mehr als bei deinen Mitarbeitern?
Generell schon, wobei meine Mitarbeiter nah an meine Preise herankommen. Für mehr Aufwand, schöne Atmosphäre, das gute Erlebnis zahlen die Kunden gerne etwas mehr.

„Ich habe in Russland Unternehmer kennengelernt, die Salons mit 55 Mitarbeitern und 1000 qm Fläche haben.“



imSalon: Du arbeitest seit 2 Jahren für Estel und bist deshalb in diesem Jahr 4 Wochen durch Russland gereist, hast Vorträge in St. Petersburg und Moskau gehalten. Gibt es für dich einen Unterschied zwischen deutschen und russischen Friseuren?
Nein eigentlich nicht, es gibt in Russland und auch in Deutschland mittelmäßige und ganz tolle Friseure. Ich habe in Russland Unternehmer kennengelernt, die Salons mit 55 Mitarbeitern und 1000 qm Fläche haben. Das hat mich fasziniert. Begeistert hat mich auch die Vielzahl der russischen Frauen, die viel Wert darauf legen, immer elegant gekleidet zu sein. Haare, Make-up, Nägel, immer gut duftend, alles erscheint zu jeder Zeit makellos und schön. Die Russinnen leben Ästhetik. In Deutschland gibt es einige, die viel Geld haben, sind aber leider zu geizig und haben nicht das Bedürfnis, sich so zu pflegen, wie die Russinnen das tun.



imSalon: Welche Botschaft möchtest du in deinen Businessvorträgen an die Friseurkollegen weitergeben?
Mein Appell in diesem Jahr lautet: "Aus Kundinnen Königinnen machen!“
Dabei sind für mich sechs Punkte wichtig: Faszination, Leidenschaft, Ambiente und Atmosphäre, Kommunikation, Kompetenz und Persönlichkeit.
Ob in Deutschland oder Russland, ich habe mit Freude festgestellt, dass ich Menschen bewegen kann. Meiner Persönlichkeit verdanke ich, dass es mir gelingt, mit Inhalten zu punkten und Menschen zu bereichern.

imSalon: Ich konnte dich auch schon auf der Bühne erleben. Ich habe das Gefühl, es ist dir wichtig, etwas zu bewegen und in deinen Zuschauern auszulösen. Die einen bereicherst du mit deinen Ideen und deiner Art, andere fühlen sich angegriffen fühlen, sind entsetzt oder abgeneigt. Wie gehst du damit um?
Das finde ich toll, Hauptsache ich habe was bewegt.

imSalon: Du hast mal gesagt, bei der Arbeit fühlst du dich gerne wie auf einer Theaterbühne, je länger wir uns unterhalten, umso besser kann ich mir vorstellen wie du morgens hier rein kommst, den Vorhang zur Seite wirbelst und loslegst.
(Lacht). Ja das ist wahr! Das ist doch auch was ganz herrliches, ich liebe es, in einer schönen Umgebung zu sein, ich liebe es mit Menschen mein Leben zu gestalten und mit denen, die auf mich zukommen, etwas zu bewirken. Ich wünsche mir, das man bei uns reinkommt und erst einmal denkt: "Oooh!"

Ich gratuliere dir, genau so ging es mir, als ich heute hier eintrat. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, Energie und gute Begegnungen.


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www.estel-professional.de


Das Interview führte Birgit Senger

Fotocredit: milans.de | Estel Professional | imSalon.de

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