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Kerstin Meyer-Lipp bringt kaputtes Haar ins Labor
INTERVIEW

Kerstin Meyer-Lipp bringt kaputtes Haar ins Labor

Einblicke in den Alltag einer Chemikerin, Dr. Kerstin Meyer-Lipp leitet die Forschung & Entwicklung "Wella Care & Styling"...

imSalon: Was macht die Forschung an Haar für dich interessant?
Kerstin Meyer-Lipp: Dass sich das Haarstyling und auch der Pflegebereich ständig weiterentwickeln. Man braucht sich nur die Haartrends der 80er, 90er und der vergangenen Jahre ansehen, Veränderung pur, denn für jeden neuen Trend braucht man neue Produkte.
Dann gibt es ständig neue Technologien, wie beispielsweise im Moment die Keratin-Treatments, die wir vor 20 Jahren noch nicht kannten.

Und woher beziehen Sie die Informationen?

Nächste Woche zum Beispiel besuche ich die "In Cosmetics" in London. Das ist die größte Messe für Pflegeinhaltsstoffe! Dort stellen unsere Zulieferanten neue Inhaltsstoffe vor. Ich finde es toll, was man dort alles vorfindet.
Und nicht zuletzt, mag ich es natürlich, ständig mit Menschen im Austausch zu stehen, für die wir die Produkte entwickeln, die mit Ideen kommen. Zum Schluss kann man sehen, wie sich Friseur und Kunde über das Ergebnis freuen.

„Ich hatte die Idee mit den Spinnenfäden…“



Wie kann man sich diesen Prozess des Werdens vorstellen?
Wir arbeiten gemeinsam in Workshops mit Friseuren an Produktideen.
Wir haben dabei die Möglichkeit unsere Ideen einzubringen, wie ich das zum Beispiel bei ‚Fusion‘ mit den Spinnenfäden getan habe. Ist das Produkt am Markt eingeführt, fahren wir auch mal mit den Außendienstmitarbeitern mit und sehen uns an, wie das Produkt im Salon angewendet wird und sprechen dabei mit Kunden. Das alles ist für mich sehr wichtig. Im Elfenbeinturm Produkte zu entwickeln wäre nichts für mich. Ich muss raus in den Markt und erleben was gebraucht wird, wie es ankommt. Das macht meinen Job für mich spannend.

Spinnenfäden in der Wella Fusion-Pflegeserie! Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Knapp drei Jahre!

„Für welche Probleme bieten wir noch keine Lösung?...“



Wer war an der Entwicklung beteiligt? Kunden, Friseure, Chemiker,...?
Zunächst laden wir während der Entwicklungszeit externe Friseure ein, reflektieren gemeinsam und stellen uns dabei immer wieder die Frage:" Was brauchen Friseure im Markt?" "Für welche Probleme bieten wir noch keine Lösung?"
Danach sehen wir uns die aktuellen Trends an. Viele junge Frauen tragen ihre Haare gerne lang,
andere lieben wiederum das Spiel mit wechselnden Haarfarben oder benutzen Glätt- oder Lockeneisen für ihr Styling. Durch Experimentierfreude wird dem Haar natürlich oft auch Schaden zugefügt. Viele Kunden erzählen uns, dass ihre Haare gar nicht so lange werden, wie sie es eigentlich gerne hätten, da sie zuvor abbrechen. Für diese Kunden wollten wir eine Produktlinie entwickeln.

Die Einwirkzeiten bei Fusion ist so kurz, war das ein Ziel/ Kundenwunsch?

Genau, es war uns wichtig, den Friseuren einen salonexklusiven Service zu bieten, der es
ermöglicht, in zehn Minuten das Keratin im Haar aufzubauen und das Haar langanhaltend zu pflegen. Zeitsparen ist Zeitgeist.

„Wir fangen Kupfer ein…“



Was hat es mit dem Kupfer auf sich? Oder zählt nur die Verpackungsoptik?
Der kupfrige Glanz der Verpackung spiegelt die Hochwertigkeit des Produktes wieder. Gleichzeitig soll auch der Nutzen des Produktes transportiert werden: Stärkung des Haares.

Ich dachte Kupfer sei schädlich fürs Haar?
Richtig! Kupfer lagert sich beim Haare waschen am Haar ab und löst sogenannte
Radikalreaktionen aus, schädigt somit das Haar. Radikale sind diese kleinen Moleküle, die deine Haare oder genauer gesagt, die Proteinstruktur attackieren. In Fusion haben wir einen Inhaltsstoff entwickelt, der diese Kupfermoleküle einschließt und während des Waschens vom Haar wegspült. Je weniger Kupfer am Haar angelagert ist, umso weniger können sich freie Radikale entwickeln. Wir empfehlen daher das Fusion Shampoo bei jeder Wäsche zu benutzen, um langfristig Schäden im Haar zu verhindern.

Kupfer, Seide, was noch?
Korrekt, die Silk-Steel-Technologie ist ein Teil davon. Weitere Inhaltsstoffe sind Seiden-Aminosäuren, inspiriert von der Spinnen-Seide und als dritter Bestandteil dienen Micro- Lipide, die die Oberfläche glätten und für eine Feuchtigkeitsbalance sorgen.

Feuchtigkeitsbalance hört sich gut an, wie funktioniert die?
Die Lipide legen sich um die Haaroberfläche und sorgen dafür, dass zum Beispiel beim Föhnen die Feuchtigkeit im Haar bleibt und bei feuchter Luft Feuchtigkeit nicht eindringen kann.

Das Produkt bringt aber zusätzlich auch Feuchtigkeit ins Haar?
Natürlich, gerade beim Fusion Shampoo haben wir mit einer ganz neuen Technologie gearbeitet. Bekanntlich ist das Haar in nassem Zustand besonders anfällig für Schäden. Deswegen sind im Fusion Shampoo zusätzlich sehr viele Pflegeeigenschaften für nasses Haar integriert.

Und was rate ich der Kundin, die bisher ein Shampoo für gefärbtes oder strapaziertes Haar verwendet hat?
Das ist ganz vom Haarzustand der Kundin abhängig. Wenn es rein um den Farbschutz geht, kann man weiterhin das Farbshampoo empfehlen. Ist das Haar jedoch stark strapaziert, würde ich zur
hochwertigeren Fusion Pflegeserie übergehen.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung dieser Pflegeserie?

Ich wollte für dieses Produkt einen Inhaltstoff finden, den es in dieser Art am Markt noch nicht gibt. Inspirieren ließ ich mich von der Natur. Lange genug gesucht, wurde ich auf die Spinnen-Seide aufmerksam, diese ist viermal stärker als Haar.

„… Haar ist gleich stark wie Stahl!“



Für dich als Entwicklerin ist das ein Grund die Spinnenfäden in ihre Bestandteile zu zerlegen und daraus einen Inhaltsstoff zu entwickeln.
Exakt. Spinnen-Seide ist übrigens auch viermal stärker als Stahl.

Gut, aber wir tragen ja Haare auf dem Kopf und zum Glück keinen Stahl.

Den gleichen Durchmesser vorausgesetzt, ist Haar gleich stark wie Stahl. Das finde ich sehr
spannend. Die Spinnenfäden sind ähnlich wie Haare aus Aminosäuren aufgebaut. Daraus leiteten wir die Grundidee für die Produktserie ab und entwickelten eine Kombination aus Seiden-Aminosäuren, die sich am Haar anlagern und dieses stärken. So entstand Fusion.

Das macht mich richtig neugierig, was noch alles kommen mag, aber erst einmal herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit "Fusion".

Das Gespräch führte Birgit Senger

Fotocredit: Kape Schmidt

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Mai 2017

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