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Jürgen & Tobias Tröndle sind Vater & Sohn
INTERVIEW

Jürgen & Tobias Tröndle sind Vater & Sohn

Es gibt Gespräche, die machen einfach Spaß, insbesondere wenn sich zwei Menschen gegenübersitzen, die einen unglaublichen Respekt füreinander haben und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei sind sie Vater und Sohn, die den gleichen Weg einschlugen: Friseur zu sein.

Ernste Facetten, nachdenkliche Momente und zwei individuelle Lebenswege mit gemeinsamen Streckenabschnitten. Der Eine sensibel, ernst, mit dem Wunsch seinen eigenen Weg zu gehen; der Andere eigensinnig und klar, offen und beschützend, aber ohne an der Leine zu halten. Tobias hätte ein Großunternehmer sein können, aber er wollte es anders, gut so, weiß sein Vater.

Tobias Tröndle


Abitur in England
Friseurweltmeister 2002
USA: Stylist bei Bumble&Bumble
Eigener Salon in Frankfurt/ Main 2011
Top-Akteur Wella, Sessionstylist Fashionweek, Creative Director Essanelle

Jürgen Tröndle


Friseurlehre in Frankfurt
1. Salon Frankfurt Flughafen
Einstieg bei Essanelle (Erste Salonkette, die an Börse ging) Heute noch Aufsichtsrat
Trendscout und Berater

imSalon: Tobias, eigentlich wolltest du BWL studieren, hast dich dann aber doch umentschieden. Was hat deine Meinung geändert?
Tobias Tröndle: (ernst) Eigentlich wollte ich schon immer Friseur werden. Ich war ja mein ganzes Leben involviert in Haare, Trends und Mode. Nur wahrhaben wollte ich es lange nicht.
Jürgen Tröndle: (lacht liebevoll hämisch) Jetzt hast du dich geoutet. Ich hab mir das eh immer gedacht!
Tobias T: Mein Vater hat mit mir den gleichen Trick gemacht, wie sein Vater schon mit ihm. Um mein Studium gesponsert zu bekommen, musste ich eine Bedingung erfüllen: Ich sollte für nur 3 Monate auf eine Friseurschule gehen, danach hätte ich nach London studieren gehen können.
So ging ich nach Lörrach zu Amann & Bohn und da hat es sich dann endgültig entschieden. Dann habe ich bei Hans Knuth Thoma die Friseurlehre abgeschlossen.

„Bei uns hat keiner vom Vater übernommen …“



imSalon: Jürgen, haben Sie in dieser Zeit nicht Ihre Geschäftsanteile verkauft?
Jürgen T: Ja, im Jahr des Börsengangs habe ich mich entschlossen auszusteigen.
Tobias T: In unserer Familie war es immer so, dass die nächste Generation ihre eigenen Geschäfte aufgebaut hat.
Jürgen T: Das stimmt, bei uns hat keiner vom Vater übernommen. Das ist ungewöhnlich, weil ja in der Regel das Geschäft vererbt wird.
Tobias T: Ich hätte gerne mit dir gearbeitet, wir wären ein gutes Team geworden.
Jürgen T: Och nö! Ich habe so viele zerrissene Familien nach Erbstreitigkeiten erlebt. Ach und ... nein, es ist sicher besser so!
Tobias T: Wir haben immer losgelöst von einander gewirkt. Ich habe meinen Vater nicht als Sprungbrett genommen.

„Ich sah irgendwann das Preisfrisieren mit anderen Augen …“



imSalon: Was war anders?
Jürgen T: Er kam plötzlich mit Preisfrisieren an und das lag mir immer sehr fern. Ich war sehr überrascht, als Tobias damit anfing, aber vielleicht wollte er es gerade deshalb so sehr, weil ich damit nichts am Hut hatte.
Tobias T: Es war ein Feld auf dem ich mich beweisen konnte, ohne über meinen Vater zu stolpern. Oder? (Anmerkung: Tobias wurde 2002 Weltmeister in Las Vegas.)
Jürgen T: (Lehnt sich zurück und grinst)
Tobias T: Du hast doch da nichts gemacht?
Jürgen T: Nein, aber ich habe irgendwann das Preisfrisieren mit anderen Augen gesehen, da passiert schon viel, vor allem handwerklich und die Friseure arbeiten extrem hart.

„Es gab Zeiten, da dachte ich im Wella Studio zur Welt gekommen zu sein …“



imSalon.at: Einen gemeinsamen Nenner gibt es aber schon: die Wella. Für Wella seid ihr beide aktiv!
Tobias T: Wella ist für mich mein Freundeskreis, das sich familiär ergab. (schaut zum Vater)
Jürgen T: Ich hatte dieses Jahr meine goldene Hochzeit mit Wella. Auch mein erster Schritt mit Wella kam durch meinen Vater, der bereits mit Wella arbeitete. Tobias war ja quasi nicht im Kindergarten, den nahmen wir immer mit, das Wella Studio war seine zweite Tagesstätte
Tobias T: Genau, es gab Zeiten, da dachte ich, ich sei im Wella Studio zur Welt gekommen.


links: Tobias und Jürgen Tröndle mit Fredderik Fekkai |
rechts: Jürgen Tröndle mit imSalons Raphaela Kirschnick und Katja Ottiger

imSalon.at: Jürgen, was lernen Sie von Ihrem Sohn?
Jürgen T: Ich lerne momentan wesentlich mehr von Tobias, als er von mir, er ist so viel näher am Puls der Zeit. (nachdenklich) Im Vergleich zu Tobias trage ich mein Herz auf der Zunge, er ist viel überlegter als ich.
Und seine Urteile sind mir sehr wichtig … Ich rede gerne und viel, Tobias beobachtet mich dabei und fällt dann sein gnadenloses Urteil. Was mich immer aufs Neue überrascht ist, wie klar diese dann sind.
Tobias T: Ich bewundere meinen Vater!
Jürgen T: Nix bewundern! (grinst schüchtern)
Tobias T: Er ist ein Idol an das man versucht heranzukommen.
Jürgen T: Naja siehst du und das mündet dann im Konkurrenzverhältnis.
Tobias T: (überlegt länger) Naja aber ein sehr Gesundes.

Im Salon: Tobias, was ist das Besondere an deinem Vater?
Tobias T: Ich liebe den Austausch mit ihm, da er immer ehrlich ist und mir seine Meinung offen sagt.
Jürgen T: Er macht dann trotzdem was anderes
Tobias T: Nein, dein Einfluss ist schon groß

„Drei Stunden einen leeren Stuhl, das ist ein Drama“



imSalon: Welche Rolle spielt eure Mutter zwischen und für euch beide?
Tobias T: Meine Mutter ist ein sehr neutraler Punkt und versucht immer die Balance zwischen uns zu halten. Oder? (Blick zum Vater)
Jürgen T: Sie ist immer auf Seiten des Sohns! (lacht)
Durch Conny habe ich persönlich ganz andere Dimensionen kennengelernt. Sie verkaufte damals neben meinem Salon am Flughafen Textilien und Modeaccessoires. Das hat mir gezeigt, was für ein schweres Brot der Friseur hat. Als Boutique-Besitzer kannst du in einer Stunde eine ganze Woche rausholen. Wenn du als Friseur drei Stunden einen leeren Stuhl hast, ist das ein Drama, nicht aufzuholen. Der Handel ist ganz anders als die Dienstleistung.
Ab und zu arbeitete Conny bei uns als Rezeptionistin. Sie war überzeugt eine andere Sprache zu sprechen und das war dann so, sie verkaufte wie wild.


Tobias Tröndle in seinem Frankfurter Salon

imSalon: Wie oft telefonieren Sie miteinander?
Tobias T: Wir? Mindestens zweimal täglich!

imSalon: Jürgen, Sie leben ja seit 2 Jahren nicht mehr in Frankfurt!
Jürgen T: Ja, Frankfurt habe ich geräumt, ich wollte Tobias das Feld überlassen und Spannung vermeiden, wollte Vergleiche vermeiden.

„ … bei dir war’s viel schöner“, das täte noch mehr weh …“



imSalon.at: Wieso Spannungen?
Jürgen T: Ich wollte einfach nicht hören „Ich war bei Ihrem Sohn, da ist es so viel toller als bei dir“ – das täte weh. Aber „Ich war bei deinem Sohn, bei dir war’s viel schöner“, das täte noch mehr weh. Menschen vergleichen zu gern.
Tobias T: (wehmütig) Also ich vermisse dich sehr!
Jürgen T: (ernst und mit erfahrenem, sicheren Unterton) Tobias, wir würden ständig verglichen werden. (wird nachdenklich) Mein Vater war ständig bei meinen Seminaren anwesend, hat hinten gesessen und mit allen möglichen Leuten gesprochen – das hatte mich immer sehr gestört.
Tobias T: Ich teile gerne.
Jürgen T: Glaube mir, es wäre nicht gut. Ich habe zu viele Salonunternehmen an Generationskonflikten scheitern sehen.

„Er kann Menschen begeistern …“



imSalon: Tobias, was sind deine nächsten Ambitionen?
Tobias T: Meine nächsten Schritte? Ich mag meinen Salon vergrößern, mag einen zweiten oder einen größeren Standort, das steht an erster Stelle. Aber natürlich gibt es viel mehr, dass ich weiter mache, denn ich tanze gerne auf vielen Hochzeiten, mag Bühne, Mode, die Fashionweek. Deshalb liebe ich diesen Beruf, weil es abwechslungsreich ist auch die Businessaspekte, die Interaktion mit Menschen, das Wachstum, einfach Alles!
Jürgen T: (hört aufmerksam zu) Was ich noch dazu sagen möchte. Ich konnte nie einen Haarschnitt von der Bühne runter erklären. Das kann Tobias super. Er hat ja auch eine viel bessere Ausbildung als ich gehabt, war in USA bei Bumble & Bumble, das hat ihn sehr geprägt. Er hat da etwas sehr Amerikanisches mitgebracht, er kann Menschen begeistern.
Tobias T: Feiere mich doch bitte jetzt nicht so ab, du sollst über dich sprechen.

imSalon.at: Jürgen, welches sind denn noch Ihre Ambitionen?
Jürgen T: Ich habe ja nichts anderes gelernt. Ich bin heute noch in ein bei ein paar Firmen engagiert, berate und halte Trendvorträge und bin im Aufsichtsrat bei Essanelle.



imSalon.at: Wo Tobias auch als Creative Director aktiv ist!
Tobias T: Wir entwickeln eigene Kollektionen und gemeinsam mit Dieter Bonk erstelle ich Schulungsunterlagen für die Mitarbeiter.
Jürgen T: Und du bist viel in Berlin in Sachen Mode unterwegs.
Tobias T: Ja auch, aber mein Fokus liegt auf dem Salon.

imSalon: Tobias, deine Frau arbeitet auch im Salon.
Tobias T: Ja, wir sind seit 8 Jahren zusammen und haben unsere ganz eigenen Visionen. Sie unterstützt mich wundervoll, ist mein Ruhepol, meine Erdung. Es ist auch nicht immer einfach, denn man hat ja viele eigene Visionen. Die größte Herausforderung jedoch ist es 24 Stunden am Tag aufeinander zu sitzen. Wir meistern das mit viel Verständnis und Respekt füreinander.

„Wir sind wirklich zwei grundverschiedene Menschen“



imSalon: Jürgen, haben Sie den Verkauf Ihrer Anteile bei Essanelle je bereut?
Jürgen T: Ja, (zögert) Nein! Man weiß ja nie was gekommen wäre wenn. Nee, so wie es ist, ist es gut, es wäre nicht das Richtige für Tobias gewesen.
Tobias T: Wir sind wirklich zwei grundverschiedene Menschen, man kann uns einfach nicht vergleichen.
Jürgen T: Du machst mehr exklusiv, gehst einen anderen Weg.
Tobias T: Es ist dennoch schade, dass man immer über die Arbeit des Vaters definiert wird. Ich leiste selbst sehr viel. Aber das ist dann wohl die Bürde des sensiblen Sohns.

imSalon.at: Es ist sehr nett mit Ihnen beiden zu plaudern, danke für das wirklich angenehme Gespräch, den Eiskaffee und Ihre Zeit!

September 2015
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