Jan Kopatz - Berlin bezieht Stellung
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Jan Kopatz - Berlin bezieht Stellung

Fakten

1 Friseursalon in Berlin „Friseur Kopatz“
Obermeister Friseurinnung Berlin
Im Vorstand des Zentralverband des Friseurhandwerks


Das Gespräch führte Birgit Senger


imSalon: Wie viele Friseursalons gibt es in Berlin?
Jan Kopatz: Es sind ca. 2500 Hauptbetriebsstätten bei der Handwerkskammer erfasst, davon 430 Ausbildungsbetriebe mit 1-50 Auszubildenden.

imSalon: Wie viele davon sind Mitglied der Innung?
So ca. 400

„Früher war man aus Tradition in der Innung…“



imSalon: Das sind ja echt nicht so viel. Sind Sie mit der Zahl zufrieden?
Früher waren die Unternehmer aus Tradition in der Innung, das gibt es heute kaum noch. Die Betriebsstrukturen und auch das gesellschaftliche Verhalten haben sich geändert. Die Vorteile einer Innungsmitgliedschaft waren früher auch noch viel besser messbar. Es gab die Bevorteilung von 2% geringeren IKK Krankenkassenbeiträge. Da brauchte man gar keine Werbung machen, da war der Vorteil jeden Monat sichtbar.
Heute sind das nur noch kleine Vorteile, wie zum Beispiel geringere GEMA Beiträge (20%), Rahmenverträge bei Versicherungen, mögliche Peisvorteile bei Automobilherstellern etc. Das ist alles nicht mehr so spürbar oder wird, wenn es genutzt wird, sehr schnell wieder vergessen.
Alles in allem wünschte ich mir jedoch mehr Unternehmer, die zur Innungsmitgliedschaft stehen.

imSalon: Nennen Sie mir drei Gründe Innungsmitglied zu werden!
1) Ich möchte bei einer Standesvertretung/Arbeitgeberverband vertreten sein. 2) Ich möchte dort aktives Mitglied werden. Und 3) ich möchte aus dieser Mitgliedschaft heraus meinen Vorteil genießen, wie vergünstigte Seminar- und Prüfungsgebühren. Ich habe die Möglichkeit über sehr geringe Kosten meine Mitarbeiter trendorientiert weiterbilden zu lassen, genieße kostenfreie Arbeitsrechts- und auch Betriebsberatung.

imSalon: Welches sind die Hauptaufgaben der Innung?
Wir sind die branchenpolitische Vertretung der Mitgliederinteressen, machen die Arbeitgebervertretung in Tarifverhandlungen, die Förderung der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung und die Abnahme von Gesellenprüfungen.

"Unternehmen sind erfolgreicher, wenn Sie nicht alles anbieten.."



Jan Kopatz: Wie fanden Sie die Modepräsentation der Innung vor kurzem in Berlin (Anm. Red: Zentralverbandstagung – Präsentation Modeteam)?
imSalon: Hm, gute Frage! Ich fand die Präsentation gelungen, ein tolles Team. Ich frage mich jedoch, ob es für eine Innung in der heutigen Zeit nicht sinnvoller wäre, sich nur auf politischere Aufgaben zu konzentrieren und Trendpräsentationen lieber der Industrie zu überlassen.
Ich glaube Unternehmen sind erfolgreicher, wenn Sie nicht alles anbieten, um sich dann nur damit zu verzetteln. Wenn Sie mir sagen, die Innung ist dazu da, Basisarbeit zu leisten in Rechtsberatung, in Betriebswirtschaftsfragen, in der Ausbildung sowie als neutrales Organ zu fungieren, dann erwarte ich hier solide Basisleistung.

Jan Kopatz: Und Mode und Weiterbildung überlassen Sie nur noch den großen Industrieunternehmen, die sich große Shows leisten können?
imSalon: Ich habe Bedenken, ob Mitarbeiter vieler Friseurunternehmer immer glücklich sind, wenn Sie auf Veranstaltungen sitzen. Vor Jahren sind die Mitarbeiter noch freiwillig zu zwei Modeveranstaltungen gegangen, heute hingegen, fragen sie nach der zweiten Abendveranstaltung bereits nach einem freien Tag als Ausgleich.

imSalon: Was ist 2017 zur Verbesserung des Images geplant?
imSalon: Ausbau und Weiterentwicklung im Bereich der Digitalisierung, rationalisierte Abläufe im Verwaltungsbereich sowie mehr Präsenz in modernen Kommunikationsmedien.

imSalon: Was wurde 2016 getan?
2015 und 2016 haben wir viel bewegt, vor allem im Bereich Lohnkosten. Wir haben für eine Anpassung des Tariflohnes gesorgt. Wir verstehen dieses als Regelung der Mindestanforderungen und setzen uns immer für eine Allgemeinverbindlichkeit ein. Dies eröffnet immer noch vielen Betrieben die Möglichkeit sich weiterhin damit auszuzeichnen, ihre Mitarbeiter übertariflich zu entlohnen.
Aber das ist natürlich nicht alles. Wie schon viele Jahre zuvor repräsentieren wir den Berufstand auf der Jugendmesse "You" oder der "IFA" in Berlin.

„Wir brauchen keine Alternative zum dualen System…“



imSalon: Gibt es aus Ihrer Sicht eine Alternative zum dualen Ausbildungssystem?
Wir brauchen keine Alternative zum dualen System, es sei denn wir möchten unbedingt Ausbildung kostenpflichtig machen.

imSalon: Ist eine Ausbildungsdauer von 3 Jahren noch zeitgemäß?
Sie haben jetzt schon die Möglichkeit eine Ausbildung in 18-24 Monaten abzuschließen. Natürlich muss man ein paar Voraussetzungen erfüllen. Notendurchschnitt von 2,4, mittlerer Bildungsabschluss, etc.. Ich wundere mich, dass dies nicht mehr von den toll ausgebildeten Lehrlingen in den gutausbildenden Betrieben in Anspruch genommen wird.
Für die, die nicht so gut sind, kann es ja nichts schaden etwas länger eine Ausbildung zu genießen. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass eine Ausbildungszeit auch dazu da ist, Routine im Beruf zu entwickeln.

imSalon Redakteurin Birgit Senger und Jan Kopatz / Jahresauftakt ZV


imSalon: Häufig wird der Vorwurf laut, Auszubildende im letzten Jahr würden ausgebeutet!
Was für ein Quatsch! Ich finde es vollkommen legitim, dass ein Ausbildungsbetrieb im letzten Ausbildungsjahr auch die Möglichkeit nutzt, eine kurze Zeit von dem zu profitieren, in das er zwei Jahren investiert hat. Im dualen Ausbildungssystem haben wir für jeden genug Spielraum und doch eine gesetzlich klare Regelung.
Ich frage mich, warum Friseurunternehmer wie Herr Cordes (Anm. Redaktion: im Interview mit Lars Cordes) nicht seine Auszubildenden früher zur Prüfung schickt und dann als Gesellen anstellt und dementsprechend entlohnt. Auf die Ausbildungsvergütung eine Provision zu zahlen, grenzt für mich an Ausbeutung, ganz abgesehen davon, was das Berufsbildungsgesetz dazu sagt. Das ist allerdings meine persönliche Meinung.

imSalon: Oh, unser Interview mit Lars Cordes scheint Ihnen nicht wirklich gut gefallen zu haben?
Ich habe es so verstanden: In den ersten neun Monaten werden die Auszubildenden in der Academy fit gemacht und dann arbeiten sie, laut Ihres Interiews, auf Provisionsbasis im Salon. Ich finde, dann sollte man es doch beim Namen nennen und sagen, dass diese Form der Berufsausbildung der unternehmerischen Profitmaxierung dient. Im Interiew wird anderen Unternehmern vorgeworfen, dass sie ihre Azubis im dritten Lehrjahr ausbeuten. Nun ja, da kann sich wohl jeder seine eigenen Gedanken zu machen.

„Tretet den Beweis an, dass man es besser machen kann…“



imSalon: Ist es nicht wichtig für einen offenen Dialog, auch neue Ansätze zu diskutieren, Ideen zuzulassen und Kritik anzunehmen?
Ich mag es nicht, dass im Moment alle in die Welt herausschreien, was ihnen nicht gefällt! Und erzählen müssen, was nicht zeitgemäß ist, sich gleichzeitig aber aus einer Verbesserungsleistung vollkommen raushalten wollen. All jene möchte ich auffordern: Tretet doch bitte den Beweis an, wie man es in der heutigen Zeit besser machen könnte, selbstverständlich unter Einhaltung der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.

imSalon: Finden Sie es richtig, dass der Zentralverband sich nicht zu dem Unmut gegen die Innungen äußert, die einige Friseure (Peter Gress/ Lars Cordes/ Keller the school/ uvm.) zur Zeit äußern?
Bei diesen verbalen Schlammschlachten in den sozialen Netzwerken möchten wir nicht teilnehmen.

imSalon: Es gäbe auch die Möglichkeit professionell und sachlich zu antworten oder das persönliche Gespräch zu suchen.
Das kann man machen und meines Wissens ist der Zentralverband auch damit beschäftigt.

imSalon: Ihre Arbeit als Obermeister wird auch über Ihren eigenen Friseursalons bewertet, finden Sie das richtig?
Ist das so?

imSalon: Das ist so! Stört Sie das?
Nein. Ich führe einen sehr traditionell geprägten Salon am Prenzlauer Berg. Um uns herum gibt es sehr viele Friseurbetriebe von traditionell bis hipp, für alle etwas dabei. Mit denen vergleiche ich mich genau so wenig, wie mit großen Filialisten. Wir sind ein Familienbetrieb mit Tradition, mein Opa hat mich zum Handwerk gebracht und auch dazu, mich im Allgemeinen zu engagieren. Von ihm habe ich das Bodenständige und Solide, was mich als Unternehmer und Obermeister zu dem gemacht hat, was ich bin.

imSalon: Was hat Sie damals motiviert das Amt anzunehmen?
Als Arbeitnehmer habe ich mich in der Prüfungskommission engagiert und Feuer für die Verbandsarbeit gefangen. Ich war sehr jung und motiviert Dinge zu bewegen. Klar habe ich dann auch sehr schnell erfahren müssen, dass in einer demokratischen Verbandsarbeit, nicht alles so schnell umsetzbar ist, wie ich mir das vorstellte.

imSalon: Welche Dinge, die sie in Ihrer Amtszeit seit 2002 als Obermeister in Berlin erreicht haben machen Sie stolz?
Dass es mir gelungen ist, die Innung solide, auch in schweren Zeiten, in sicherem Fahrwasser zu führen. Wir haben vieles modernisiert und Abläufe rationalisiert.

imSalon: Was können wir von einer Sozialkasse erwarten?
Wenn die Sozialkasse irgendwann mal kommen sollte, ist der Grundgedanke der, dass jeder, auch die Kleinstunternehmer, in die Kasse einzahlen müssen und davon die Ausbildung der Lehrlinge finanziert werden kann.

imSalon: Das heißt die Ausbildungsvergütung zahlt nicht mehr der Unternehmer, sondern die Sozialkasse?
Genau.

imSalon: Was wünschen Sie sich für die Friseurbranche?
Ein besseres Ansehen.

imSalon: Jan Kopatz, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Fotocredits
Portrait: Zur Verfügung gestellt von Jan Kopatz
Content: briti bay fotodesign www.britibay.de


März 2017

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