Herr Zopf und 1.000 Friseur Anekdoten
INTERVIEW

Herr Zopf und 1.000 Friseur Anekdoten

Der FriseurGeräteSammler Heinz Zopf und seine Kuriositäten...

Hat wer eine „Kratze“ für Herrn Zopf? Wenn ja, hat er dafür die ein oder andere Friseur-Anekdote parat! Denn Herr Zopf, ist Sammler, Historiker, Friseur, ehemaliger Berufsschullehrer und Friseurgeschichtenerzähler. Und all das im herr zopf´s friseurmuseum in der deutschen friseurakademie Neu-Ulm …

Das Gespräch führte Katja Ottiger


imSalon: Herr Zopf, unter den Tausenden von Ausstellungsstücken - welches war Ihr erstes?
HZ:
Heinz Zopf: So genau kann ich das heute gar nicht mehr sagen. Das waren wohl Geräte zum Haare wellen und ondulieren sowie Öfen und Erhitzer für diese. Es ging einfach von einem ins andere über.
Als Lehrer wollte ich den Unterricht nicht mit an die Wand geworfenen Bildern gestalten, sondern meinen Schülern das Vibrieren von Motoren, den Geruch und den Geschmack der Geräte näherbringen.



Also begannen Sie all diese Dinge zusammenzutragen und zur Verfügung zu stellen?
HZ:
Ja. Ich wollte im Fach Berufskunde das Arbeiten mit berufsbezogenen Geräten methodisch und anschaulich gestalten. Denn soll ein Kind etwas verstehen, muss es mit Sinnen begreifen und angreifen. Hier bei mir im friseurmuseum ist nichts weggesperrt, alles darf berührt und bestaunt werden. Die Sachen, die wirklich nicht angefasst werden sollen, habe ich natürlich weggeschlossen.

"Der Barber funktionierte damals genauso wie heute als Auskunftsgeber."



Sie sind bekannt für Ihre Anekdoten. Haben Sie eine für uns?
HZ:
Ich habe mal grob gegoogelt, es gibt wohl an die 2000 Gedichte und Erzählungen zu Friseuren, Badern, Barbern. Aber folgende setzt den Friseuren bis heute einen Stempel auf: Einer der antiken Könige ging in seinem Stadtstaat zum Barbier, um sich wieder einmal rasieren zu lassen. Auf die Frage „Wie schneiden wir denn heute?“, antwortete der König: „Ach, in Ruhe und in aller Stille.“ Meiner Ansicht nach eine treffende Bezeichnung für alle Barbiere und Friseure! Denn nicht der Barbier war redselig, sondern der Kunde! Wenn man in der Antike in eine neue Stadt kam, dann ging man zuallererst einmal zum Barbier, um sich reinigen, säubern und waschen zu lassen, aber auch, um die Neuigkeiten zu erfahren, denn ein Barbier wusste einfach alles! Der Barber funktionierte damals genauso wie heute als Auskunftsgeber.

Fehlt Ihnen noch etwas in Ihrer Sammlung?
HZ:
Hm, eine schwierig zu beantwortende Frage, denn die zentrale Aussage eines Sammlers ist doch: Es gibt diese Dinge, von denen man als Sammler keine Ahnung hat, dass man sie braucht. Und manchmal weiß man um sie, aber nicht, wie man an sie herankommt. Was ich weiß, das mir noch fehlt, ist die Spiralwicklung von Karl Nesslers Heißdauerwelle. Da wurden die Haare senkrecht nach oben auf Spiralen gebunden und dann mehr oder weniger gekocht.
Oder etwas aus der Zeit des Rokoko: Wenn es unter der Perücke mal juckte, kam die „Kratze“ zur Anwendung. Eine Metallhand mit einem nach obenstehenden Zeigefinger. So eine hätte ich gern.
Und generell fehlen Produktbehälter und Dosen aus den 20er und 30er Jahren, die durch die Zeit des Nationalsozialismus und des Weltkrieges verloren gingen.



Worauf kommt es beim Sammeln an?
HZ:
Man muss immer im Kopf haben, was man sammeln möchte und was es noch so geben könnte. Wissen Sie, ich habe ungefähr 17 Jahre nach einer Linkshänder-Barttasche gesucht. So etwas kriegen Sie nur dann, wenn es auf dem Markt ist und Sie zur rechten Zeit am richtigen Platz sind und das entsprechende Kleingeld dabeihaben. Wichtig beim Sammeln ist ja auch, dass Sie schon vorher wissen müssen, ob das Objekt sinnvoll ist. Ein Beispiel: Der Kopfhaarwaschtisch aus dem 15. Jahrhundert. Den Tisch fand ich bei Mannheim, aber es fehlte die dazugehörige Zwaghschüssel für die verdünnte Seifenlauge. Das allerdings wusste ich nur, weil ich im Kopf das Bild eines Kupferstiches von Jost Amman aus dem 15. Jahrhundert hatte, auf dem ein solcher zu sehen ist. Die Schüssel gab es schließlich bei Duisburg an der dänischen Grenze.

Worin sehen Sie die wichtigste Aufgabe des Museums?
HZ:
Das ist eine einfache Sache: Ich mache das Ganze aus Spaß, Interesse und Leidenschaft. Ich bin nicht nur Pädagoge und Historiker, sondern auch Friseur und Sammler. Ich beschaffe, sammle und pflege die Geräte und wissenschaftlichen Anschauungsstücke, die dazu dienen, anderen Freude zu machen und einfach anschaulich Wissens zu vermitteln.



Was wünschen Sie sich in der Zukunft für Ihres Museum?
HZ:
Auch das ist einfach: ewigen Bestand. Hier wird die dfa, allen voran Herr Harald Gloning, sicherlich dafür sorgen.

Wie finanzieren Sie das Museum?
HZ:
Über Eintrittsgelder, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel: 7,50 Euro pro Person mit einem 2 Stunden Vortrag meinerseits. Am besten ist es, sich hier anzumelden, damit nicht zwei Gruppen zusammenkommen, denn gerade von Schulen wird es gern besucht.

Sie sind mittlerweile in Rente?
HZ:
Ja, gesundheitsbedingt seit beinahe 20 Jahren. Das hat mir die Chance gegeben, mich ausgiebig mit dem Museums-Job zu beschäftigen.

Herr Zopf, ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und dem Sammler in Ihrem Herzen spannende Erträge!
HZ:
Ich verabschiede mich mit einem Spruch, der nicht von einem Friseur kommt, sondern vom Karikaturisten Ulli Stein: „Ich habe mich gefreut, Sie kämmen gelernt zu haben.“

Ganz meinerseits!


Neugierig geworden? Dann besuchen Sie Herrn Zopf und sein friseurmuseum !

Kontakt:
dfa - deutsche friseurakademie
friseurmuseum
Dieselstraße 4
89233 Neu-Ulm
T: 0731 378 465 711
E: info@deutsche-friseur-akademie.de
www.deutsche-friseur-akademie.de/

Fotocredit: Andonis Vassiliades

Juli 2017
Design & Interieur (29 Bilder)

Herr Zopf´s Friseurmuseum

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