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Heiko Schneider ist emotionales Business pur
Interview

Heiko Schneider ist emotionales Business pur

"Wenn du ins Schwarze treffen willst, musst du danebenschießen!" Der Vollblut-Unternehmer und Businesscoach hält nichts von Stars im Team, aber umso mehr von geplanter Budgetierung und geschulten, gesunden Hochleistungsteams. Der gut gebuchte Businessspeaker begeistert u.a. auch online mit seinen kostenlosen Webinaren. Ein Businesstalk.

Fakten

geboren und aufgewachsen in Hoyerswerda
seit 1991 Salonunternehmer
1 Salon in Hoyerswerda| 300 m2 + 80 Büro und Verwaltung
26 Mitarbeiter | 5 Auszubildende
Businesscoach | Referent | Eventorganisator
Intercoiffure Deutschland – Verantwortlicher Bereich Mitte
TopSalon Award 2015 Kategorie „Employer“
2x Diamand Ideas Award
Foto- und Videoproduktionen



imSalon: „Den Erfolg Ihrer Zukunft machen Ihre Mitarbeiter aus“, sind Sie überzeugt. Ist das auch die Überzeugung Ihrer Branchenkollegen?
Heiko Schneider: Da sind wir auf dem Weg. Viele erfolgreiche Unternehmer sind perfekte Friseure, die wissen, dass ein Salon davon abhängig ist, ob er funktionierende Mitarbeiter hat oder nicht.

imSalon: Investieren Unternehmen ausreichend in Ihre Mittarbeiter?
Nein. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 1,9% vom Netto-Umsatz des Salons. Ich gebe doppelt so viel aus. Mehrausgaben machen sich immer bezahlt. Da kommt der Erfolg von ganz allein.

"Ich halte nichts von kleinen Teams mit ein, zwei Stars"



imSalon: Das kostet, sind Sie hochpreisig?
Wir sind am oberen Ende des Mittelfeldes positioniert. Diese Position ist mit den Mitarbeitern besprochen. Wir sind innerhalb kurzer Zeit von 11 auf 26 Mitarbeiter angestiegen und das hat viel mit Weiterbildung zu tun.
Wir haben keine Stars im Team. Ich halte nichts von kleinen Teams mit ein, zwei Stars, die dann weggehen, sich selbstständig machen und alles bricht hinter ihnen zusammen.
Bei meinen Vorträgen frage ich gern: Wie hoch ist Ihr Budget für Weiterbildung und Marketing? Die meisten wissen es nicht. Und ich kann es auch ein Stück weit nachvollziehen. Friseure sind kreative Menschen und deshalb auch erfolgreich, aber manchen fehlt einfach geplante Budgetierung. Da bin ich anders. Ich wollte immer der Unternehmer sein. Ich wünschte mir, dass die Branche hier professioneller wird.

"Manchen fehlt einfach geplante Budgetierung."



imSalon: Sie machen gratis Webinare, also Seminare im Internet.
Ja, regelmäßig. Unternehmer können sich gratis einwählen und den Vortrag über Laptop, iPad, Computer verfolgen. Wer möchte, kann die Aufzeichnung für € 9,- kaufen. Ich möchte, dass unsere Branche besser wird.

imSalon: Ihr letztes Business-Thema?
Gesundheitsprogramme. Ich beschäftige mich mit der Gesellschaft und psychosozialer Gesundheit. Die Menschen sind alle am Limit, bei dem was geleistet werden muss. Meine Anforderung: Trotz Leistungsdruck gesund und erfolgreich bleiben. Dafür braucht es fachlich und qualitativ gut geschulte Leute, denn auch der Kunde wird immer anspruchsvoller. Hier gehen wir strikt nach Planung und Konzept vor.



imSalon: Wie kamen Sie zum Haarschneider und Businesscoach?
Ich habe zu DDR-Zeiten meinen Elektronikfacharbeiter gemacht, wollte aber eigentlich Sport studieren, Leichtathletik. Für die DDR-Spitze hat es nicht gereicht, also hab ich angefangen, Jugendliche zu coachen, wäre fast Lehrer geworden und habe mich nach der Wende für eine Friseurausbildung entschieden. Meine Mutter war Friseurin und die Idee dahinter war die, Friseurunternehmer zu werden. Dann kamen Businessvorträge dazu und hier schließt sich der Kreis.

imSalon: Was sind denn Ihre wichtigsten Tipps zur Mitarbeitermotivation?
Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

imSalon: Und was sagen Sie, wenn man Sie fragt, was Sie von Beruf sind?
Ich bin Friseur.

Sehen Sie sich als Imageträger?
Ja.

imSalon: Ihr Terminplan ist voll, während wir plaudern, sind Sie auf dem Weg nach Bayreuth zum Wirtschaftskongress für den Mittelstand. Wie oft stehen Sie noch im Salon?
3 Tage, manchmal auch samstags.

imSalon: Haben Sie noch Zeit für Sport?
Zu wenig.



imSalon: Bei den letzten TOP HAIR Trend Days in Düsseldorf wurden Sie mit dem Top Salon Award ausgezeichnet. Worauf kommt es da an?
Es spielen verschiedene Dinge hinein: Testkundenbesuche, Aus- und Weiterbildungsprogramme, ein Hochleistungsteam, die Zugehörigkeit zu Verbänden, die Anzahl der Kunden.

"Begrenzung findet nur im Kopf statt."



imSalon: Ihr Hochleistungsteam ist gut geschult, das kann man auf der Website bei jedem einzelnen Mitarbeiter detailliert nachverfolgen. Wie belohnen Sie diese?
Nach Kollektivvertrag und darüber: leistungslohnbezogen im Sinne ihrer individuellen Entwicklung. Was man gern macht, macht man gut. Hier sehe ich mich in meiner Mannschaft als Coach. Da schicke ich schon mal Mitarbeiterinnen zur Weiterbildung nach London zu TIGI, eine andere zur Intercoiffure nach Paris. Jede Mitarbeiterin macht jährlich 8–10 Schulungen, man muss hier überdimensional mehr machen. Ich versuche, sie ihre Träume leben zu lassen, natürlich auch, damit sie nicht wegziehen. An unserem Standort muss ich einfach mehr bieten, dafür haben wir eine geringe Fluktuation.
Wir sind hier in einer 32.000 Einwohner Stadt mit 44 Salons, einer relativ hohen Salondichte, und kommen monatlich auf 1.800 Kunden, 600 davon sind Männer.
Begrenzung findet also nur im Kopf statt.



imSalon: Sie veranstalten regelmäßig Herrenabende, haben aber ausschließlich Mitarbeiterinnen. Sind Frauen da willkommen?
Die Mitarbeiterinnen gehören natürlich alle dazu. Und sind wir ehrlich, das gefällt uns Männern doch auch. Wir machen z.B. Whiskeyabende zur Neukundengewinnung, ohne über Haare zu sprechen. Wer gestylt werden möchte, wird gestylt, wer nicht, der nicht. Ich halte es da gern wie die Bogenschützen: Wenn du ins Schwarze treffen willst, musst du danebenschießen! Verstecktes Marketing. Und ich weiß, es wird ein neuer Kunde „hängen" bleiben.

"Wir sind die beste Branche für emotionale Ansprachen."



imSalon: Sie bieten ein Seminarformat über die Nutzung von Internet-Kanälen an. Wie können Kleinstunternehmer das Internet effektiv und kostengünstig nutzen?
Auf alle Fälle, in dem ich das alles nicht technisch betrachte, sondern das Internet emotional verstehen lerne. Und es ist hier nicht die Frage ob, sondern WIE! Wir sind die beste Branche für emotionale Ansprachen. Wenn wir das verstanden haben, funktioniert das auch.

imSalon: Geben Sie mir ein Beispiel!
Ich habe einer 100-jährigen Kundin die Haare geschnitten. Eher zufällig habe ich vorher ein Foto von ihr gemacht und dann die vorher/nachher Bilder auf Facebook gepostet. Wir haben etwas über 2000 Facebook Freunde. Diese Geschichte wurde von allen Bildern am meisten geliked. Das ist die beste Kombination: Information und Salonmarketing!
Und das Verstehen, dass die emotionalen Postings einen unglaublich hohen Marketingwert haben.
Oder E-Mail Marketing, mit dem man sich regelmäßig in Erinnerung bringt. Wir verschicken unsere Newsletter 5-7-mal jährlich an 3000 Adressaten. Hier muss man aufpassen, die Leute nicht zu belästigen. Die Inhalte sind emotionale Geschichten, Fotos von neuen Mitarbeitern, Weitbildungen und interne Prüfungen unserer Mitarbeiterinnen.

imSalon: Rent a Tool - Sharing ist ein großes Thema. Bei Ihnen kann man sich Föhn. Lockenstab & Co. ausleihen. Funktioniert das?
Nein. Damit bin zu zeitig. Rent a Tool ist eine Kooperation mit ghd, funktioniert aber noch nicht. Manchmal muss man sich gedulden können. Aber ich gebe mich gern meinen Visionen hin und arbeite mit Zukunftsforschern,wie Dr. Ragner Willer und Matthias Horx, zusammen. So entstand auch die Idee vom „Young Stylist by Haarschneider“, wo wir den besten Amateurfriseur suchen. (www.youngstylist.de/)

Young Stylist by Haarschneider 2013




imSalon: Wie ist das entstanden?
Meine Frage war, wo bekomme ich Azubis her? Im TV gibt es diese vielen Castingshows und junge Leute scheinen die zu lieben. Also war der Gedanke: Machen wir doch eine Castingshow! Wir stellen unseren Salon zu Verfügung, professionelle Produkte und Tools und die Teilnehmer haben 3 Stunden Zeit ihr Modell vor unseren Augen zu stylen.
Die jungen Leute hören hier nicht einmal das Wort Azubi, wir bewerben das nirgends. Im letzten Jahr hatten wir 14 junge Leute da, die mit dem Beruf an sich nichts zu tun haben. Da kann ich sehen, was ist deren Talent, und wenn ich möchte, kann ich mit ihnen über einen Azubi-Vertrag reden, muss es aber nicht.

imSalon: Wie bewerben Sie das, was gibt es zu gewinnen?
Über Facebook, Videos (You Tube) und über die YoungStylist Website.
Im letzten Jahr gab es eine Reise zur TIGI World Release nach London zu gewinnen und in diesem Jahr gibt es Produkte und Tools im Wert von € 500,-, alles gesponsert von TIGI. Eine echt tolle Sache!

imSalon: Sie sind Intercoiffeur. Warum?
Weil hier ein super Austausch unter Friseurfreunden stattfindet.

imSalon: Sehen Sie sich als Netzwerker?
Definitiv.

imSalon: Wünsche an die Branche?
Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, unsere Branche professioneller zu machen und die Chance nutzen, unsere Preise und Erträge nach oben zu schrauben.


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Heiko Schneider Consulting
Haarschneider online

Fotocredit:
ganz oben und Kollektion Sloane Squared : Haarschneider
Top Salon Award: Jan Kobel für TOP HAIR International


Mai 2015

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