Dieter Bonk – Das bin ich!
Interview

Dieter Bonk – Das bin ich!

Er ist Friseur, hat 1984 mit der Lehre begonnen um dann mit beispielloser Karriere zum Vorstand der Hair Group aufzusteigen...

Dieter Bonk begann 1984 als Friseurlehrling bei Essanelle in Bremen, heute ist er im Vorstand der HairGroup AG mit ca. 4.500 Friseurangestellten in über 700 Filialen. Ein Werdegang, der beweist, man kann so ziemlich alles erreichen, wenn man es will.

Ein extrem sympathischer, humorvoller und offener Dieter Bonk sitzt mir gegenüber. Das Interview führte Raphaela Kirschnick.


Wie fühlt man sich, 30 Jahre später, als Vorstand eines Unternehmens?
Dieter Bonk: Schon merkwürdig, was alles passiert ist.

Bevor wir übers Heute sprechen, würde ich gerne mehr über die Anfänge erfahren. Wieso sind Sie damals Friseur geworden?
In unserer Familie war ich der Jüngste und hatte vor, handwerklich zu arbeiten und so besuchte ich das Berufsgrundbildungsjahr zum KFZ-Mechaniker, um mir sicherer zu werden. Ich hatte keine klare Vorstellung meiner Zukunft und keinen richtigen Wunschberuf und wechselte dann zur Friseurlehre.

Dazwischen liegen Welten, wie kam es zu dieser Sinnesänderung?
Die Schwester meiner damaligen Freundin war Friseurin bei Essanelle und als ich mich eines Tages beim Abendessen über den Gestank und den Schmutz in der Werkstatt beschwerte, meinte sie nur, dass sie Friseurlehrlinge suchen und ich mir ja das mal anschauen könnte. So kam ich zu Essanelle, auf 250 qm arbeiteten ca. 40 Friseure, alles war hell, freundlich und duftete gut, na das hat mich beeindruckt (schwelgt in Erinnerungen und lächelt). Wenn ich das heute noch aufrufe, dann ist das ein so tolles Gefühl.

Aber Sie kannten doch andere Friseursalons?
Das war es ja, ich hatte da ein vollkommen falsches Bild. Ich kannte ja nur den Herrenfriseur meines Vaters. Das war ein alter Mann im weißen Kittel umgeben von ratternden Haarschneidemaschinen, wo mir tagelang der Nacken gebrannt hat vom Ausrasieren.

"Unter Gleichgesinnten zu sein hat mich fasziniert..."



Also ging es nur um Duft und Sauberkeit?
Nein, da spielte natürlich noch mehr hinein. Bei Essanelle waren 18 Lehrlinge, da war ich sofort in einer Gemeinschaft. Dank meiner Kindheit mit zwei Brüdern war ich immer ein Teamplayer, unter Gleichgesinnten zu sein, das hat mich fasziniert.

Wie reagierte ihr Umfeld?
Meine Familie hat den Wunsch voll unterstützt und das war sicher nicht einfach. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, mein Vater war Eisenbahner und hatte eine ganz andere Vorstellung fürs Kind, Kaufmann oder so ähnlich.



Und wie ging es dann weiter?
Ich war 16! (wird nachdenklich)
Du lernst die Möglichkeiten kennen, die so eine Firma bietet. Also wir hatten einen Lehrlingssprecher, es gab Sonderaufgaben, es ging nicht nur ums Haareschneiden, sondern auch um Dinge wie Bestellungen machen. Naja, ich konnte relativ gut Haareschneiden und Mode hat mich einfach fasziniert! Während meiner Lehre hatte ich einige Sonderaufgaben. Damit bin ich meinen Chefs aufgefallen. Ich war ja auch immer und überall mit dabei, hab gerne in anderen Filialen ausgeholfen. Messen fand ich cool, vor allem Hochzeitsmessen waren große Klasse.

Sie standen früh auch auf der Bühne?
Naja, beim klassischen Wettbewerbsfrisieren hab ich‘s versucht, nur zum Weltmeister, da hat es nicht gereicht.

Was soll das heißen?
Ich hatte schon den Eindruck, dass da bestimmte Friseure gefördert und bevorzugt wurden. Ich konnte mir weder Supermodelle engagieren, noch Designerklamotten für die Modelle leisten und meine Eltern hatten auch keinen eigenen Salon. Ich bin Gerechtigkeitsfanatiker und was ich beobachten konnte war, dass es Friseure mit weit besserer Leistung gab und ich meine nicht mal mich. Als dann doch objektiv schlechtere als andere gewannen, da hab ich dann aufgehört.

Ok, die Ausbildung war vorbei, wie ging es weiter?
Irgendwann stellte ich mir die Frage, wie geht es weiter. Da habe ich dann erstmal das Unternehmen verlassen und ging in einen privaten Betrieb mit 3 Salons und übernahm dort sehr schnell wieder Sonderaufgaben. Ich fühlte mich aber nie richtig wohl. So war es ein glücklicher Zufall, dass mein ehemaliger Chef von Essanelle bei mir anrief und mir einen Trainerjob angeboten hat.

"Super, ich fliege durch die Welt und lerne Haareschneiden..."



Was hat Sie an der Trainerposition interessiert?
Er meinte, ich müsste viel reisen, nach Berlin, München, London, Paris. Und das in Zeiten, in denen Fliegen etwas für Reiche war. Super! Ich fliege durch die Welt und lerne Haareschneiden und neue Techniken. Ich hatte den Stift für die Unterschrift schneller in der Hand als er den Vertrag!

Wie lange dauerte die Trainerausbildung?
Sie war berufsbegleitend und dauerte ca. ein Jahr. Mein größtes Talent aber, entwickelte sich erst in dieser Zeit. Organisation, andere begeistern und mitreißen, Aktionen entwickeln.

"Ich wurde mehr als Troubleshooter eingesetzt..."



Wie machte sich das Talent bemerkbar?
Immer wieder wurde ich in Salons eingesetzt, die eigentlich gar keine fachliche Hilfe brauchten, sondern deren Probleme ganz woanders lagen. Oft hat die Motivation oder die Führung gefehlt und so habe ich dann versucht durch Begeisterung das Team erfolgreich zu machen. Mein Chef hat das Talent erkannt und so wurde ich mehr und mehr als Troubleshooter eingesetzt.
Dann kam ich in einen Salon, wo kein Filialleiter war und so wurde ich Filialleiter. Mein erster Salon, wo ich bei der Entstehung dabei war. Das war dann drei Jahre nach meiner Lehre, 1990 waren es dann schon 3 Essanelle Salons, in Folge wurde ich Bezirksleiter für 5 Salons und wurde dann nach kurzer Zeit Regionalleiter mit über 20 Salons.

Dieter Bonk beim Treffen mit Raphaela Kirschnick


Wie alt waren Sie damals?
1991 war ich 24.
Das war heftig, denn ich kam in Salons, da waren die Mitarbeiter teilweise älter als meine Eltern und das war für mich damals alt. (grinst). In kürzester Zeit war ich erfolgreichster Regionalleiter.

Was war ihr Erfolgsrezept?
Neben Fachwissen beruhte mein Erfolg darauf, meine Leute für ihre Arbeit zu begeistern. Präsenz zeigen, Vorbild sein. Als Erster da sein und als Letzter gehen. Viel Spaß und das zu lieben, was man tut. Die Menschen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

"Ich hab einfach immer und zu allem „Ja“ gesagt..."



Das klingt nicht danach als hätten Sie es gezielt auf Karriere angelegt!
Nein, ich war ja nie jemand der gefragt hat „Was krieg ich dafür“. Ich hab einfach immer und zu allem „Ja“ gesagt. Manchmal ohne zu wissen, was eigentlich auf mich zukam. Es war der Ehrgeiz mehr zu machen, neues zu entdecken.

Gibt es dafür ein Beispiel?
Oh ja, 1996 meinte mein Chef, wir fahren nach Darmstadt zur Wella dort würden wir in der Kantine jemanden treffen, mit dem ich mich unterhalten sollte. Es war ein Wella Vertriebsmann aus Polen. Er wollte am Abend mit mir nach Warschau fliegen, weil Metro an einer Partnerschaft mit Essanelle interessiert sei. Und so flog ich am Abend nach Warschau, Übernachtungssachen hatte ich ja mit, weil ich dachte ich übernachte in Darmstadt.

Was war dann ihre Aufgabe?
„Führe mal die Verhandlungen“! meinte mein Chef. Und so hatte ich am nächsten Tag ein Expansionsgespräch mit dem Metro Vorstand Osteuropa und wir haben uns gleich auf eine Partnerschaft geeinigt. Damit hatte ich dann ein neues Projekt, flog am darauffolgenden Dienstag wieder nach Polen, um eine Firma zu gründen und eine „Tochter“ der Essanelle aufzubauen. Nebenbei hielt ich meine mittlerweile 40 Salons in NRW und Niedersachsen am Kochen. Im nächsten Schritt brauchte ich in Polen Einrichtung, Produkte, Mitarbeiter… schlussendlich wurde ich Polen-Verantwortlicher, habe Polen aufgebaut. Von 1996-99 war ich 50 % in Polen und 50 % in Deutschland.

Klingt ziemlich aufregend!
In 4 Jahren habe ich in Polen 28 Läden aufgebaut, Logo kreiert, Außendienst-Struktur aufgebaut, hatte im Prinzip meine eigene kleine Firma.

Und was ist jetzt mit Polen?
Mit dem Börsengang haben wir das Polengeschäft aufgegeben, um uns auf Deutschland zu konzentrieren und Mod’s Hair zu integrieren. Und so konzentrierte ich mich wieder auf meine Salons in NRW und Niedersachsen.

"Beruflich die schönste Zeit meines Lebens..."



Was war dann Ihr Plan?
Am 1.1.2000 wurde ich Regionalgeschäftsführer mit dem Ziel, (lange Pause, schüttelt mit dem Kopf), neee, eigentlich hatte ich keinen festen Plan. Ich war Teil während einer großen Expansionsphase und das hab ich bis 2007 gemacht. Beruflich die schönste Zeit meines Lebens. Ich konnte mich voll ausleben, Salonkonzepte gestalten, alles mitbestimmen von Werbung bis Einrichtung.

Was ist Ihre größte Stärke?
Begeistern! … aber auch klare Ansagen machen. Nicht immer passt jeder zu jedem, das muss man erkennen und sich auch mal trennen. Aber nicht im Bösen. Man sieht sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben und entwickelt sich weiter … manchmal passt es dann beim zweiten Anlauf besser oder eben auch gar nicht.

Das klingt nach einer konsequenten Personalpolitik!
Ich habe klare Vorstellungen und spreche klar aus, was ich will. Dadurch kann sich mein Gegenüber sehr schnell ein klares Bild machen. Ich bin unkompliziert und locker, kann aber sehr konkret sagen, wenn und was mir nicht passt.
Rückblickend… Ich hatte exorbitant gute Leute. Mit 184 Salons in Niedersachsen und Nordrheinwestfalen waren wir über viele Jahre die erfolgreichste Region in Deutschland.

Ok, wann kam denn nun der Vorstand?
Erst Aufsichtsrat, später Prokurist und dann Vertriebsdirektor.
Dann kamen die Gespräche mit Achim Mansen, unserem Vorstandsvorsitzenden. Ich dachte mir, ich soll die gesamte Vertriebsstruktur aufbauen, habe meinen Input gegeben, niemals hab ich da an Vorstand gedacht.
Und dann sitzen wir zusammen und Mansen spricht auf einmal von Vorstand (greift sich mit beiden Händen an den Kopf). Ich war zunächst total überrumpelt, für mich waren Vorstände ausschließlich Kaufleute, aber niemals ein Friseur!

"Ich hatte ja keine Ahnung, was es heißt „Vorstand“ zu sein..."



Zum 1.1.2008 wurden Sie Vorstand für Vertrieb und 2009 auch für Marketing!
Ich hatte ja keine Ahnung, was es heißt „Vorstand“ zu sein. Und so hab ich ein Vorstands-Seminar besucht.

Wie? Es gibt Vorstandseminare?
Ja, da lernt man die Grundkenntnisse, Administratives, alles über Rechte und Pflichten eines Vorstandes. Ich war mit Abstand der Jüngste im Kurs.
Am ersten Tag nahmen wir die Haftung des Vorstandes durch, da wollte ich sofort aufhören.

Das war aber nicht ernst gemeint?
Oh ja, ich bin zurück und hab gesagt, ich will machen, was mir liegt, Vorstand nicht.
Aber Achim Mansen hat mir mehr oder weniger klargemacht, dass mir dann ein anderer sagt, wo es lang geht. Na dann habe ich nochmal überlegt und so wurde ich halt Vorstand.

Dieter Bonk mit Vorstandskollegen Achim Mansen (Mitte) und Dirk Wiethölter


Was antworten Sie auf die Frage „Was Sie sind“?
FRISEUR… grundsätzlich! (sehr bestimmt)
Ich finde es beschämend, wenn Leute sofort abschätzig auf „Friseur“ reagieren. Bei uns im Ort glauben viele, ich sei Friseur. Menschen, die nicht mit mir befreundet sind, haben keine Ahnung, was ich wirklich mache.

Gibt es einen Unterschied Friseur zu sein heute im Vergleich zu 1984?
Kann ich nicht beantworten. Ich hatte ja am meisten damit zu tun, die blöden Vorurteile aus dem Weg zu räumen.

Welchen Rat geben Sie jungen Friseuren?
Ich mache ihnen klar, was es bedeutet Friseur zu sein.
Neben der fachlichen Komponente, bedeutet es ja den ganzen Tag zu stehen, man muss mit Leuten reden können, Kommunikation ist besonders wichtig im Friseurberuf. Viele sind super talentiert aber es fehlt ihnen am Willen oder Können zur Kommunikation und am Einfühlungsvermögen.
Ich finde diese Kampagne im Internet (bin Seelsorger, …) klasse, weil die es auf den Punkt bringt.
Heute ist es viel wichtiger geworden nicht mehr nur Friseur zu sein, sondern ein Erlebnis zu verkaufen.

"Ich wollte immer nur authentisch sein..."



Wer sind Ihre Vorbilder?
Hmmm? (Augenbrauen gehen nach oben)
Wissen Sie, ich wollte immer Ich sein. Es gibt Menschen, die ich toll finde und von denen ich viel gelernt habe, aber ich wollte nie in deren Rolle schlüpfen, ich wollte immer nur authentisch sein.

Was ist ihr nächster Schritt?
Ich hatte nie geplant, Vorstand zu werden, es ist so passiert, also lasse ich alles Weitere auf mich zukommen.
Aber… Mein größter Wunsch ist es, dass die HairGroup auch in Zukunft nicht nur größter sondern erfolgreichster Friseurfilialist ist und wir in 2067 unseren 100. Geburtstag feiern können.

Was war ihr schönstes Kompliment?
„Du hast dich gar nicht verändert“

Ihr Motto?
Bleibe authentisch aber liebe die Menschen mit denen du arbeitest.

Dieter Bonk, vielen Dank für dieses lange, offene und sehr herzliche Gespräch und weiterhin viel Erfolg!


Fakten zur Hair Group


Vorstandsvorsitz: Achim Mansen
Vorstand Marketing & Vertrieb: Dieter Bonk
Vorstand Personal: Dirk Wiethölter

Salonmarken: Essanelle Ihr Friseur, Super Cut, HairExpress und beautyhairshop
Anzahl Filialen gesamt: über 700
Anzahl Mitarbeiter: ca. 4.500, davon 400 Auszubildende
Jahresumsatz 2015: € 134 Mio.

www.hairgroup.de

April 2016
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