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Andreas Reetz hält sich vieles offen
Interview

Andreas Reetz hält sich vieles offen

Momentmal! Andy Reetz bettelt um Nadeln, damit er mehr arbeiten darf? Er braucht einen Mentaltrainer fürs Haareschneiden und erreicht damit 80.000 Leute? Für den Pottjungen, der wegen eines Schülerpraktikums Friseur wurde, gibt es meist kein Halten und dafür kann er nichts, denn ist eine Sache noch im Laufen, fällt ihm schon die nächste ein. Und uns eine Menge Fragen die wir dem leichtfüßigen mod´s hair Franchisenehmer, Weltrekordhalter, Sessionstylist und Promifriseur aus Recklinghausen stellen könnten.

Fakten:

28 Jahre, jüngster mod's hair Franchisenehmer Deutschlands
Promifriseur, Weltrekordhalter
Erreicht über soziale Medien bis zu 80.000 Menschen
Ausbildung mod´s hair 2004
Fashionweek seit 2011
2015 Weltrekord Haircut 400 by Reetz
seit 2012 Saloninhaber | Mercuri & Reetz Friseur GmbH
1 Salon | 170 qm | 17 Bedienungsplätze
6 Mitarbeiter Vollzeit | 3 Auszubildende



imSalon: Wolltest du schon immer Friseur werden?
So mit 15 Jahren hatte ich keine Idee und fand, wenn überhaupt, irgendwas mit Autos toll. Meinen Ausbildungsvertrag als KFZ Mechaniker hatte ich schon in der Tasche. Aber mein großer Bruder meinte: "Andy, werd Friseur, das wär was für dich..."! Wir waren damals schon Kunden bei mod's hair, ich habe mich vom großen Bruder überzeugen lassen, bin ich zu meinem jetzigen Geschäftspartner Roberto Mercuri in seinen mod's hair Salon gegangen und habe mir einen Praktikumsplatz besorgt und schon am ersten Tag war mir klar: Ich wollte Friseur werden!

"Ich mag es, langfristige Projekte mit meinen Kunden zu planen, rufe sie an und frage, wie sie klar kommen."



imSalon: Woran hast du das gemerkt?
Daran, wie sie dort mit den Kunden umgegangen sind. Mich begeisterte so viel Kreativität und Kommunikation. Mir war klar, da kann es mir niemals langweilig werden! Bis heute mag ich diese Salonatmosphäre, ich könnte nicht nur als Stylist für Shootings oder Fashion unterwegs sein. Ich mag es, mich jede Stunde auf einen neuen Kunden einzustellen, langfristig Projekte mit ihnen zu planen, Prozesse der Veränderung zu begleiten. Ich ruf meine Kunden z.B. zwei Wochen nach einer Haarverlängerung an und frage, wie sie klar kommen, oder fordere sie auf, sich bei mir jederzeit melden zu können. Jeder Kunde fordert mich heraus. Immer was Neues, wie toll ist das denn?!

imSalon: Roberto Mercuri, dein ehemaliger Chef, ist heute dein Geschäftspartner.
Ja, das ist so entstanden. Er hat vom ersten Tag an bis heute immer sein Wort gehalten, mir einen klaren Weg aufgezeigt, mich ständig gefördert und gefordert. Und das macht ihn zum perfekten Partner.

imSalon: Habt ihr eine klare Aufgabenteilung?
Ja, ganz klar: Ich bin der Kreative, er der Zahlenmensch und Geschäftsmann.

imSalon: Vorteil für dich...?
Es gibt mir die Freiheit, die ganzen anderen Jobs außerhalb des Salonalltags machen zu können, wie Fashionweek, Shootings, Artistic Team, Trainer für mod's hair etc.. Ich muss mich nicht um den Bürokram kümmern. Wenn er im Urlaub ist, muss ich das ja mitmachen, das regt mich dann schon genug auf. Ich kann das ja alles, so ist es nicht! Wäre ja auch schrecklich, wenn ich nicht verstehen würde, was er macht. Zusammen sind wir ein gutes Team! Als wir unsere Geschäftsräume angemietet haben, war ich so heiß endlich loslegen zu können und so stolz, meinen ersten Salon zu eröffnen, ich hätte den Mietvertrag sofort unterschrieben. Aber Roberto hat einen kühlen Kopf behalten und 3 Monate weiterverhandelt. Dann haben wir einen Vertrag unterschrieben, der weitaus besser für uns aussah.

"Nehmt mich! Und wenn ich noch nicht gut genug bin, halte ich euch Nadeln."



Salon: Was gefällt dir an mod's hair?
mod's hair hat mir so viele Tore geöffnet. Als ich das Artistic-Team zum ersten Mal auf der Bühne gesehen habe, wusste ich, da will ich mitmachen. Und wenn ich was will, gibt es kein Halten! Also bin ich zu den Verantwortlichen hin und hab gesagt: "Nehmt mich! Und wenn ich noch nicht gut genug bin, assistiere ich euch und halte euch Nadeln. Wenn ich nicht zum Nadelhalten tauge, dann stell ich mich einfach in die Ecke und guck zu, da findet sich eine Lösung, aber bitte nehmt mich mit!"



Wo ein Wille, da ein Weg. Ich kam ins Artistic Team, wurde Trainer, habe die Gründer von mod's hair kennenlernen dürfen, arbeite auf der Fashionweek, und reise mit mod's hair um die Welt, letztes Jahr Japan, im Januar 2017 freue ich mich auf Los Angeles.
Bei mod's hair habe ich ständigen Austausch mit anderen Kollegen, teilen unsere Erfahrungen. Ich denke, so offen würde ich nicht mit anderen Friseurkollegen umgehen können. Das schöne ist auch, dass wir alle nach einem Konzept arbeiten, einen Trend verfolgen, gleiche Haarschneidetechniken verwenden. Wenn du zu mod's hair gehst, weißt du, was du bekommst. Das ist so: Wenn Du "Galliano" willst, bekommst du kein "Prada". Wenn du mod's
hair willst, bekommst du kein Vidal Sasson. Klare Sache.

"Ich bin und bleibe ein "Pottjunge".



imSalon: Wo siehst du dich in 12 Jahren?
Ich werde definitiv noch im Ruhrpott leben! Es gibt ja Leute, die wollen zum Beispiel nach Berlin ziehen oder irgendwohin auf der Welt. Ich bin und bleibe ein "Pottjunge". Ich liebe die Menschen, denen ich in der Stadt begegne und die mich grüßen. Ich werde dann definitiv noch am Stuhl stehen und arbeiten. Ich plane nächstes Jahr meinen zweiten Salon. Ich könnte mir vorstellen, da kommen noch mehr dazu.

imSalon: Friseur sein bedeutet für mich...
Guck mal, was der Beruf mir für Möglichkeiten gegeben hat! Ich komm aus dem Ruhrgebiet, aber wo ich schon überall war, wie viele und was ich für interessante Menschen ich kennengelernt habe!

imSalon: Als Friseur brauchst Du...
Leidenschaft zählt mehr als Abitur.

"Wer gut ist, verdient auch gut! Meine Mitarbeiter erhalten iPads und Firmenwagen."



imSalon: Wie motivierst du deine Mitarbeiter?
Ich motiviere Sie mit genau dem, was mich auch motiviert: Wer gut ist, verdient auch gut! Meine Mitarbeiter erhalten iPads und Firmenwagen. Ich kann nicht jeden mit zur Fashionweek nehmen, aber mir ist wichtig, das mein Team auch in meine Arbeit mit einbezogen wird, ich poste nicht nur meine Arbeiten sondern natürlich auch die meiner Mitarbeiter. Wir besuchen Shows, ich integriere sie als Trainer und ganz wichtig: Jedes Jahr reisen wir alle gemeinsam in eine Metropole, besuchen Shows oder interessante Friseursalons und lassen uns außerhalb unseres Salonalltags inspirieren.



imSalon: Du bist der jüngste mod´s hair Franchisenehmer Deutschlands, was fällt dir leichter als älteren
Unternehmern?

Na ja, ich erlebe es ja oft, wenn wir zusammensitzen. Die Kollegen sind etwas festgefahrener und nicht so aktiv wie ich. Ich finde das nicht schlimm, ich glaub, es beschäftigt sie selbst mehr. Sie sagen dann oft zu mir: "Andy, was du da wieder alles machst, Fotoshootings, Shows, posten hier und da.... Ich müsste auch mal wieder mehr tun!"
Ich kann gar nicht anders, eine Sache ist noch nicht abgeschlossen, da fällt mir schon das nächste ein.

imSalon: Was kommt denn als nächstes?
Ich bin in der Planung für einen neuen Weltrekord.

imSalon: Wie wichtig sind soziale Netzwerke für dich privat und als Friseurunternehmer?
Privat versuche ich mich eher zurückzuhalten, aber als Unternehmer voll wichtig! Als ich letztes Jahr den Weltrekord aufgestellt habe, hatten wir eine Reichweite von 80.000, in der Regel liegen wir zwischen 2.500-10.000. Klar ist, wenn man es macht, dann bitte richtig! In Kürze werde ich für meinen mod's hair Kollegen ein Facebook Seminar geben.

imSalon: Wie macht man es richtig?
Regelmäßig und zur richtigen Uhrzeit posten, mit Bloggern zusammenarbeiten.

imSalon: Instagram oder Facebook?
Beides! Mit Instagram erreiche ich die "bis 25-jährigen", wenn ich bei denen gute Arbeit leiste, kommen auch die Eltern.

imSalon: Welche Zielgruppe willst du erreichen?
Ich nenne sie mal "35 Plus".

imSalon: Warum?
"35 Plus" achten dauerhaft auf gutes Aussehen, kommen regelmäßig, sind zahlungskräftiger und sind nicht so sprunghaft.

imSalon: Dein Weltrekord Cut 400 (d.h mindestens 400 Haarschnitte in 24 Stunden) liegt 1 Jahr
zurück. Was hast Du daraus für dich an Erfahrung mitgenommen?

Er hat mir gezeigt, wenn ich mir was in den Kopf setze und wirklich will, gut plane und die richtigen Leute an meiner Seite habe, dann kann ich das schaffen. Begleitet mit dem guten Gefühl, wie unfassbar viele mich unterstützt und mit gefiebert haben.

imSalon: Wie lange hast du geplant und wer hatte überhaupt die Idee?
Die Idee hatte ich mit einem Freund bei ein paar Gläsern Wein zu viel. Etwas später besuchte ich mit meinem PR Berater Mirko Simnovec eine Gala von "Kinderlachen.e.V und da wusste ich, für wen ich es machen wollte. Die intensive Vorbereitungsphase mit Fitnessstudio und Mentaltrainern dauerte ein Jahr.

imSalon: Was hat dich daran am meisten geflasht?
Die vielen Freunde und Menschen, die gekommen sind, teilweise dreimal, von 20-23 Uhr, um 3 Uhr und dann nochmals um 10:00 Uhr. Ich hatte drei Mentaltrainer, die für mich die gesamten 24 Stunden da waren, das braucht man auch, so zwischendurch, beispielsweise um 6 Uhr morgens, wenn nicht so viele Menschen um dich rum sind und man sich fragt, was mach ich eigentlich hier?

imSalon: In meinem nächsten Leben werde ich...
Friseur.

imSalon: Was würdest du gerne ändern?
Ich nenne es mal Außenkommunikation. Immer noch haben viele im Kopf, wenn du nicht weißt, was du werden sollst, dann werd halt Friseur! Oder, oh je Friseur, da verdient man doch nichts! Ich würde mich freuen, wenn das mal aus der Welt wäre. Ich habe schon im zweiten Ausbildungslehrjahr angefangen alle 3 Monate in meine alte Schule zu gehen, um die Schüler aufzuklären was der Friseurberuf zu bieten hat.
Es ist schon besser geworden, aber ich würde mir wünschen, dass der Friseurberuf als Beruf, mit dem man Geld verdienen kann und viele Möglichkeiten hat, noch anerkannter wird.

imSalon: Meine Lieblingshaarfarbe...
Blond.

imSalon: Wie blond? Ich dachte jetzt eher an die Nuance 9/16, 9/03... ?
Ich kann Dir doch jetzt keine Nuance sagen, das würde doch bedeuten, ich färbe allen das gleiche blond... Ich nehme das, was zur Kundin passt, ich habe auch kein Lieblingsprodukt. Wenn ich eines hätte, würde ich doch vielleicht auch Kunden, denen es nicht passt, empfehlen.

imSalon: Frauen sehen am schönsten aus wenn...
Wenn ihr Look so natürlich wie möglich auf sie abgestimmt ist.


www.modshair-recklinghausen.de

Das Interview führte Birgit Senger

Fotocredit: Ulrike Fox Photograpy

Juni 2016
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