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Beauty Karriere nur im Friseurhandwerk?
Kolumne Dieter Schneider

Beauty Karriere nur im Friseurhandwerk?

Ohne Fragezeichen, aber mit einem für Überschriften völlig unüblichen Punkt, das ist die Überschrift einer Medienerklärung des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, die ich auf „Umwegen“ erhalten haben. Aus dem „Umweg“ wurde ich dann gefragt, was ich von dieser Medienerklärung halte. Hier meine Antwort, die ich auch zur allgemeinen Veröffentlichung freigegeben habe:

Der erste Satz dieser Medienerklärung des Zentralverbandes lautet:
"Mit Skepsis und Zurückhaltung reagieren der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) und die Handwerksorganisationen in Deutschland auf die aktuelle Initiative von L`Oreal Deutschland, eine Friseurausbildung neben der dualen Handwerksausbildung zu etablieren."

Für flüchtige und weniger vorab informierte Leser klingt das ganz vernünftig. Das wenige, was bisher über das Konzept von L`Oréal selber bekannt bekanntgegeben wurde, legt Zurückhaltung und auch Skepsis nahe. Darüber werde ich erst etwas schreiben, wenn ich mehr darüber weiß.
An dieser Stelle will ich deshalb nicht über die geplante Aktion von L`Oréal schreiben, sondern über die Reaktion des Zentralverbandes darauf.

Der Zentralverband, der etwa 20 Prozent der deutschen Friseurunternehmen vertritt, hat bisher fast alle Versuche, alternative Konzepte zur klassischen Dualen Ausbildung im Friseurhandwerk bekämpft. Mit dem Wörtchen „fast“ will ich sagen: Nicht bekämpft wurde z. B. die außerbetriebliche Ausbildung unter der Obhut der Handwerkskammern und anderer Vereinigungen. Das waren in der Regel „Erweiterungen nach unten“, in erster Linie für junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz im Dualen System finden konnten oder wollten.
Was der Zentralverband immer direkt abgelehnt und aktiv bekämpft hat, war eine alternative Ausbildung nach „oben“, also eine elitäre Ausbildung. Jede Ausbildung im Friseurhandwerk muss dual (praktisch und theoretisch) sein, sie muss aber nicht im Dualen System erfolgen.

Aus der Sicht des Zentralverbandes als Zusammenschluss fast aller Friseurinnungen (über die Landesverbände) in Deutschland ist die Ablehnung verständlich. Das Duale Ausbildungskonzept mit weitgehender Monopolstellung ist überlebenswichtig für die Friseurverbandsorganisation von den Innungen über die Landesverbände bis hin zum Zentralverband. Sollte dieses Duale Ausbildungssystem im Wettbewerb mit alternativen Ausbildungskonzepten den Kürzeren ziehen, dann ist es um die Verbandsorganisation endgültig geschehen. Das wäre aus anderen Gründen bedauerlich, die ich früher in der MARKTLÜCKE des Öfteren mit dem Satz von Theodor Eschenburg begründet habe:
Was in unserer heutigen Gesellschaft nicht organsiert ist, ist ungeschützt.

Aber zurück zur Überschrift der Medienerklärung des Zentralverbandes: : Beauty Karriere nur im Friseurhandwerk. Da drängt sich die Frage auf: Ist das, was L`Oréal da vor hat, „außerhalb des Friseurhandwerks“? Ein ehrlichere Überschrift wäre gewesen: Beauty-Karriere nur innerhalb des Dualen Systems.

Ich habe in der MARKTLÜCKE öfters geschrieben:
Es ist ein grundlegender Fehler von Zulieferwirtschaft und Verbandsorganisation, eine Arbeitsteilung zwischen Ausbildung und Weiterbildung zu verabreden. Die Verbandsorganisation allein zuständig für Ausbildung, die Zulieferwirtschaft nur gefragt und eingespannt bei der Weiterbildung. Wenn jetzt eine führende Zulieferfirma diese Verabredung aufkündigt, ist das nur gut für die Ausbildungsqualität in dieser Branche, die bei allen Qualitätsaspekten der Friseurdienstleistung der strategische Engpass ist.

Dazu einen Gedanken von Friedrich Nietzsche aus seinen „Fröhlichen Wissenschaften:

Handwerk hat vielleicht goldenen Boden, aber es hat auch eine bleierne Decke über sich, die andere wegschieben müssen.



Demnächst schreibe ich noch mehr dazu. Vorher empfehle ich Ihnen aber die nochmalige Lektüre der MARKTLÜCKE-Themenhefte „Qualitätsmanagement I und II“. Da steckt schon eine Menge „Bleierne Decke wegschieben“ drin.


Mit freundlichen Grüßen
Dieter Schneider



Dieter Schneider, Redaktionsbüro MARKTKLÜCKE
dieter.schneider@concepte-gmbh.com

Dieter Schneider, Jahrgang 1941, studierte Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Nach sieben Jahren Management-Tätigkeit brachte er als selbständiger Unternehmensberater und Journalist den branchenspezifischen Informations- und Beratungsdienst „Marktlücke“ heraus, den es ununterbrochen Anzeigen- und PR-frei fast 40 Jahre gab. Seit 2013 publiziert Dieter Schneider mit gleichem Namen MARKTLÜCKE Management-Themenmagazine, zuletzt drei Ausgaben mit dem Titel „Wertschätzen“.


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April 2016

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