Triple AAA Aufregung – Angst – Amazon
Amazon Salon Pro

Triple AAA Aufregung – Angst – Amazon

Was steckt hinter Amazon’s Salon Pro, was sagt die Industrie, was sagt der Großhandel

Von Raphaela Kirschnick

Eine Meldung, die einschlug, wie eine Bombe: Amazon launcht Salon Pro, eine Art Online Großhandel für friseurexklusive Produkte. Nichts Genaues weiß man noch nicht.

Ich habe mich angemeldet, derzeit ist es unspektakulär, die Preise werden mit und ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen, sind aber weitestgehend deckungsgleich mit den Endverbraucherpreisen, also keine B2B Preise erkennbar. Einige Produkte liegen laut Anbieter geringfügig unter den empfohlenen Preisen, aber auch das ist im Web nicht ungewöhnlich. Anmelden kann sich jeder, der ein Unternehmen und eine gültige UID-Nummer vorweisen kann. Also auch Bäcker, Klempner, Autoverkäufer können Ihre Haarschneidemaschine zukünftig über Amazon Salon Pro bestellen.


Screenshot der aktuellen Amazon Salon Pro Landingpage

Amazon hat einen Anfang gemacht, strategisch kalkuliert, punktgenau zur Düsseldorfer Top Hair Messe. Der im Außenbereich aufgestellte Infotruck war da eher mickrig anmutend, aber Vorsicht, das heißt nicht, dass es hinkünftig nicht auch größer, anders, schöner geht. Besucht war der Stand kaum, für Messegeflüster war gesorgt, und man hat sofort gemerkt, die Angst geht um. Ein jeder beobachtet mit Argusaugen, was da nun passiert. Die Stimmen:

Thim Mader, Verkaufsleiter WAHL
„Nicht mit uns, wir beliefern Amazon nicht und haben es nicht vor.“

Bodo Hillers, Geschäftsführer Stopperka
„Angst haben hier einige! Wenn Amazon erst mal richtig loslegt, können sie eine Macht ausspielen, die einige in die Knie zwingen kann. Diesen Gedanken finde ich erschreckend. Wir werden uns weiterhin auf Beratung, Service, unser Fachwissen und die persönliche Beziehung fokussieren, auf das unsere treue Kundschaft setzt. “

Thomas Wenzel, Geschäftsführer Tondeo
„Wir haben Amazon Salon Pro nicht beliefert und lehnen es zu 100 Prozent ab.“

Dr. Peter Wenzel, Geschäftsführer Olymp:
„Aktuell machen wir bei Amazon Salon Pro nicht mit, wir schauen uns das aber an. Eventuell funktionieren irgendwann Kleingeräte, aber dazu kenne ich das Geschäftsmodell zu wenig. Olymp ist es wichtig Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen Friseur wertschöpfend mit unseren Produkten arbeiten kann, ob das dort aktuell gelingt, kann ich derzeit nicht beurteilen, sehe das als problematisch.“

Raphael Koziollek, Geschäftsführer Hair Haus/Comair:
„Die Welt verändert sich. Wir haben uns bewusst entschieden mit und nur mit unserer Marke Comair ins Amazon-Geschäft zu gehen und wir lernen aus dieser kurzen Zeit viel dazu. Wie Amazon derzeit die Preise festlegt, das wissen wir noch nicht, aber Amazon wendet sich an Gewerbetreibende.“

Henri Schumacher, Geschäftsführer Hair Haus/ Comair:
„Also ich verstehe die Aufregung nicht, es wird doch bereits alles auf Amazon angeboten und es wird weiterhin neue Wege geben. Wohin die gehen wissen wir doch auch wir nicht. Nur an altem stur festhalten, das können wir nicht.“

Wolfgang Daufenbach, Sales Direktor BaByliss Pro:
„Babyliss Professional wird nicht auf Amazon Salon Pro vertreten sein. Es ist uns auch nicht bekannt, woher Amazon das Logo hat. Wir haben das kritisiert, wir sind im Gespräch, denn derzeit sagt auch das Headquarter in Frankreich dazu ein ganz klares Nein.“

Volker Dürrbeck, Geschäftsführer Euro-Friwa
„Ja, Amazon hat bereits Interesse bei uns angemeldet. Man wird das langfristig nicht verhindern können, aber derzeit ist uns unsere Beratungsleistung sehr wichtig. Unsere Stärken sind die Beratung und der Kontakt zu unseren Kunden und das werden wir ausspielen. Was Amazon an vermeintlichen Vorteilen anbietet, müssen wir versuchen durch unseren Service aufzuholen.“

Stepfan Pokinski, Geschäftsführer Efalock:
„Wir müssen diese Entwicklung verfolgen, wir werden diese ja nicht verhindern. Ideen müssen wir entwickeln und beobachten, Emotionen helfen da nicht.
Als Geschäftsführer von Efalock kann ich sagen, dass wir derzeit nicht dabei sind, aber wir werden uns das anschauen. Ware findet ja ihren Weg, das kann ich doch gar nicht mehr verhindern heutzutage. Ich finde aber, dass die Diskussion viel zu emotional geführt wird.

Fouad El Assaous, Sales Director ghd:
„Schwieriges Thema, wir sind uns hierzu noch nicht einig und warten auf klare Anweisung aus unserem Headquarter in GB.“

Von-bis scheiden sich die Geister, letztendlich sehen alle den Namen Amazon und können sich realistische Szenarien ausmalen frei nach dem Eingeständnis ‚Wir sind doch alle Konsumenten und Kunden mit Erwartungen“. Kunden haben Erwartung und Amazon geht darauf ein. Diesen Lauf der Zeit, immer wieder kritisiert, aber aufhalten vermag ihn niemand. Das ist Business! „Ich habe das System unterstützt und den Buchhandel zu Fall gebracht, jetzt trifft es uns“, kam von einem Großhändler, der anonym bleiben möchte.

Die Aussagen der Amazon-Presse-Damen sind ganz klar: „Unser Ziel ist es das zu liefern, was der Kunde möchte. Natürlich auch Chemie, wenn es soweit ist.“
Zum Thema Chemie sind sich alle einig: Das ist eine Frage der Zeit. Die Frage ist, wer wird als Erster umfallen und Amazon im großen Ausmaß beliefern.

Großhändler werden weiterhin auf friseurexklusive Beratung, Seminare, Weiterbildung, Ausbildung, ein umfangreiches Sortiment setzen. Vor allem aber auf das, was in unserer Branche noch nicht verloren gegangen ist, das Persönliche. Dennoch, die Welt dreht sich weiter, Amazon dreht sich mit. Wir beobachten, wie es weiter geht.


Screenshot Amazon Salon Pro

Fotocredit Titelbild:
Markus Schmidt

-> zu Amazon Salon Pro

März 2017

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